2.1.10

Ärger mit »Elena«

Auf einmal wissen es alle: Die Unternehmerverbände, die FDP, die Grünen, selbst das Arbeitsministerium der leyenhaften Ursula lenkt allmählich ein ... (War uns die Dame nicht schon als Familienministerin als Betreiberin freiheitsbeschränkender Online-Maßnahmen bekanntgeworden? Gut, daß wenigstens das seit dem Regierungswechsel erledigt ist ...)

Mir hatte »Elena« schon vor Wochen den Appetit und die Laune verdorben. »Wenn ich so was beim Frühstück lese«, sagte ich meinem Assistenten, »dann hab ich schon für den Rest des Tages genug.«

»Elena«: Hinter dem Kürzel verbirgt sich der »elektronische Entgeltnachweis«, den alle Unternehmen ab 1.1.2010 monatlich an ein neues Zentralregister abzuliefern haben. Das soll der Arbeitserleichterung und Entbürokratisierung für die Unternehmen dienen, heißt es im anschmeichelnden Anschreiben vom Ministerium. Na, bei mir bestimmt nicht. Die Auskunft bei der Krankenkasse, für Kleinunternehmen wie meines genüge weiterhin ein jährlicher Dauernachweis (wenn sich nichts ändert), tröstete zwar mich, aber nicht die anderen Unternehmer.

Heute vormittag berichtete der Deutschlandfunk, und auch Zeitungen waren plötzlich voll davon: »Elena« hatte einen sage und schreibe 41seitigen Fragenkatalog; nicht nur nach Entgelthöhe und Arbeitszeit wurde da gefragt, sondern auch nach jährlicher Zahl der Streiktage des Arbeitnehmers und danach, ob die Streiks legal oder illegal gewesen seien (seit wann entscheiden das die Arbeitgeber?), nach der Zahl der Krankheitstagen und danach, ob es echte oder vorgetäuschte Krankheiten gewesen seien, nach Kündigungsgründen etc. pp.

Man möchte es nicht glauben, daß Jerzy Montag von den Grünen allen Ernstes meint, »Elena« diene auch den Beschäftigten, weil nun z. B. der Arbeitgeber nicht mehr von einem Wohngeldantrag erfahre (als ob der sich das bei entsprechender Lohnhöhe nicht denken könnte), nur um dann einzuräumen, die Datensammelwut sei doch wohl übertrieben ... Die Grünen sind eben keine moderne Bürgerrechtspartei, sondern eher auf Seiten der Bevormunder und Einschränker (Rauchverbot, Umweltzonen).

Jetzt lenkt die Politik ein - aber immer erst mal versuchen, nicht wahr? (Wobei ich gern zugebe, von »Elenas« Ausmaßen auch nichts gewußt zu haben). Es ist so wie bei der EU, wo Jean-Claude Juncker schon mal sagte: »Wir stellen da mal was in den Raum, und wenn keiner Aua schreit, dann ziehen wir das durch.«

Bei den Umweltzonen ist es ähnlich: Die Politik fördert den Einbau von Holzpellets-Heizungen, die zigmal mehr Feinstaub emittieren als das mieseste alte Auto - aber auf den Autofahrern hackt man rum. Nach Hannover, Berlin und Freiburg dürfen jetzt nur noch Autofahrer mit grünen Plaketten hinein. »Die Autofahrer mit den grünen Plaketten bleiben gelassen, weil sie noch nicht begriffen haben, daß die Einschläge näher kommen.« (FAZ von heute). Eben. Und so geht es weiter mit dem täglichen Wahnsinn. Leider.



Laokoon in den Fesseln der Bürokratie. Auch so ein schwarzweißes Bild sieht vor dem schwarzen Hintergrund besser aus - findet Ihr nicht?

Schwarz zu sehen ...

... brauchen Sie nicht, verehrter Leser, wenn Sie das neue »Outfit« des Marterpfahl-Blogs sehen, höchstens mit uns anstoßen auf das neue Jahrzehnt, das ein etwas biederes Outfit ersetzt durch ein eleganteres. Geliebäugelt hatte ich mit »Minima Black« schon zu Beginn meines Blogs 2006, aber eingedenk all der gräßlichen SM-Websites, die dunkelrot auf Schwarz daherkamen, kaum lesbar, wählte ich doch lieber ein konventionelleres Äußeres.

»Schnell - welche Punkte sind farbiger?« warb ein Hersteller von Farbfernsehern in den 70er Jahren für sein Gerät. In der Tat: Auf dunklem Hintergrund wirkten die bunten Punkte irgendwie »farbiger« ...





Solche Flaggenbildchen hab ich mir schon seit Jahren immer mal wieder runtergeladen und nun zwei der ansprechendsten ausgewählt; man muß ja schließlich vorbereitet sein auf die Zeit, wo man sich zu einem multinationalen Konzern entwickelt, nicht? :-)

Allen Lesern ein frohes neues Jahr(zehnt)!

20.12.09

Zu Weihnachten

In Tübingen gab's einst einen Laden, der - neben normalen Möbeln - allerlei lustigen Firlefanz verkaufte: Aufblasbare Weihnachtsbäume, made in Hong Kong, Sessel in Herzform und vieles mehr. Leider existiert er nicht mehr. In Berlin gibt's einen ähnlichen Laden, nahe dem Prenzelberg, aber man kann ja nicht jedes Mal nach Berlin fahren ...

Gut, daß es hie und da passende Versandhändler gibt.

»Nixgut« z. B., der Versandhändler für den gepflegten Punker von heute, der auch schon mal mit Kreditkarte zahlt und Boni für dicke Bestellungen schätzt, bietet diese Fußmatte an:



Na, wenn das nicht das passende Präsent für alle dominanten SMer ist! Gut, für dieses Weihnachten ist es schon zu spät ... aber Weihnachten kommt ja alle Jahre wieder! ;-)

In diesem Sinne: Frohe Feiertage!

Rüdiger Happ

14.12.09

»Mainstream« - was ist das?

Da kommt mir wieder einmal ein Manuskript auf den Schreibtisch geflattert. Im Anschreiben teilt mir der Autor mit, er habe für mich sowohl ein SM-Manuskript als auch ein Stino-Manuskript geschrieben, »weil ich in Ihrer Website gelesen habe, daß Sie mit Ihrem Verlag ›aus dem SM-Ghetto rauswollen‹ und ›im Mainstream-Bereich‹ mehr Geld verdienen wollen.

Persönlich hoffe ich, daß sich Ihr Verlag aber trotzdem weiterhin im SM-Genre verdient macht. Um mit der Fahrzeugsprache zu reden: Mir kommt der Mainstream-Bereich vor wie all die im Luftkanal geformten, gleich aussehenden Blechschachteln von Autos. Das SM-Genre bietet noch Ecken und Kanten, aus denen sich Charakter bildet. In der Fahrzeugsprache würde ich es eher mit einer Harley vergleichen.

Aber gut, wenn Sie unbedingt lieblos mit einem Mainstream-Toyotopelfordmazdagolf das größere Geld verdienen wollen, als mit einem knorrigen britischen Roadster oder einer Harley permanent in love zu fallen, sende ich Ihnen auch gern ein Exposé ...« eines Stino-Romans zu.

Jou. Das hat mich doch ins Grübeln gebracht. Ich fürchte, der Herr hat da was falsch verstanden. So wie ein Zuckerbäcker nach Jahren voller Süßem Sehnsucht nach sauren Gurken hat und ein Polizist in der Freizeit alles außer Krimis liest, so habe ich natürlich auch das Bedürfnis nach Abwechslung, zumal ich ja auch noch andere Interessen habe als nur SM ... Politik und Geschichte etwa. Reisen. In diesem Sinne meinte ich »Mainstream« - im Sinne von »Nichterotisches«, nicht unbedingt im Sinne von »Stino-Erotik«.

Obwohl ich die natürlich auch nicht verachte. 32.000 verkaufte Exemplare von »Sex für Fortgeschrittene«, das ist mit SM-Titeln so gut wie nicht zu machen. Ohne diesen Erfolg hätte ich mir meine gebrauchte Harley vielleicht nicht leisten können;-) Es war eben schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Deshalb auch die relativ kleinen Auflagen und, dadurch bedingt, die relativ hohen Preise meiner Bücher.

Der SM-Buchmarkt ist eben eine Nische. In einer Nische kann es relativ gemütlich sein, geschützt vor den großen Haien im weiten Meer gewissermaßen, aber es kann auch unangenehm eng sein, die Wachstumsmöglichkeiten beschneiden. Den Ausblick beschränken.

Mr. X kann aber beruhigt sein. Natürlich wird es weiterhin SM-Titel aus meinem Hause geben, es ging ja nur um Ergänzendes. Und wenn ich sehe, wie viele SM-Titel für 2010 schon wieder geplant sind, dann wird es sowieso schon wieder verdammt eng für alles geplante Nichterotische ... (Außerdem haben die meisten Autoren, die ich bislang ansprach, sich skeptisch geäußert: Veröffentlichen in einem SM-Verlag? Lieber nicht ... So kann das mit Nischen sein: Steckt man mal in einer solchen, hat man - wie ein Schauspieler nach zu vielen einseitig ausgewählten Rollen - ein Etikett weg, und es ist schwer, das wieder abzukriegen ...)

7.12.09

»Austickende Schweizer« vs. »Pfosten der Unaufgeklärtheit«

Großer Gott! (... und Allahu akbar ;-) Kochen die Leidenschaften immer noch hoch bei dem Streit ums Schweizer Minarettverbot!

Mancher Blogger versteigt sich gar dazu zu behaupten, die Schweizer wären bei der Abstimmung »reihenweise ausgetickt« und hätten sich dazu verleiten lassen, gegen die Religionsfreiheit zu stimmen (dabei sind Moscheenbau und muslimische Gottesdienste natürlich weiterhin erlaubt).

Nicht vergessen wird auch der Hinweis, bei den Minarettgegnern handle es sich überwiegend um dümmliche Unterschichts-Prolls. Tja, vielleicht liegt das daran, daß die Unterschicht eher in den Stadtteilen lebt, wo Minarette entstehen, wohingegen die Bessersituierten in friedlichen Villengegenden leben oder auf dem Lande, fernab von den meisten Muslimen, und sich daher leicht in Toleranz üben können ...

Es fehlt auch nicht der Hinweis darauf, daß die Schweizer in irgendwelchen US-TV-Satireshows zur Lachnummer werden. Hahahahaha.

Irritierend, das Ganze. Das findet auch dieser Poster in einem anderen Internetforum:

»Es ist schon irritierend, mit welcher Beflissenheit weite Kreise plötzlich irgendwelchen hinterwäldlerischen Ziegenbärten beim Bau von Minaretten hierzulande behilflich sein wollen. Man möchte meinen, sie müßten ganz andere Probleme haben. Ich bin mir ganz sicher: Die Toleranz, die sie für die Manifestationen des Islam bei uns einfordern, würde ihnen in vielen islamischen Ländern ganz gewiß nicht gewährt.

Ich bin geplagt genug von Glockentürmen, die ich als Ausdruck der ›Religionsfreiheit‹ hinzunehmen habe. Aber die stehen teilweise immerhin schon seit tausend Jahren hier. Was soll das für ein Fortschritt sein, das Übel zu vermehren, weitere Pfosten der Unaufgeklärtheit hier einzuschlagen, anstatt die alten nach und nach zu überwinden?

Komisch, das Ganze, oder vielmehr traurig.«

Und nach Vorwürfen, hier finde sich eine eigenartige, aber würdige Koalition zusammen:

»Falls du dich auf mein Posting beziehst, fürchte ich, falsch verstanden worden zu sein. Und natürlich kann ich mir nicht aussuchen, wer sich mit seinen Auffassungen in eine Koalition mit meinen gesellt.

Nun tun eine Menge Leute so, als ginge die Welt unter, weil Moslems in der Schweiz keine Minarette bauen dürfen. Da sind Leute dabei, die für ihren Lebensstil nicht die geringste Toleranz in islamischen Ländern erwarten dürften, ein Lebensstil, der sich immerhin auf Aufklärung, Emanzipation und Liberalität stützen kann. Und ausgerechnet solche Leute tun so, als ginge es bei diesem Bauverbot für Minarette um Diskriminierung oder die Verletzung von Menschenrechten. Wohlgemerkt: Nicht die Glaubensausübung wurde verboten, nicht einmal der Bau von Moscheen. Mag sein, daß viele Schweizer etwas anderes mit ihrem Entscheid abgelehnt haben, aber für mich sind Minarette (wenn sie jetzt und hier neu gebaut werden) ein Symbol der Unaufgeklärtheit. Wir importieren damit etwas, was wir mühevoll über Jahrhunderte überwinden mußten.«

Jou. Und hier - nur so als kleines Beispiel - eine Auflistung der muslimischen Toleranz gegenüber Schwulen:

Von Bußgeld bis Todesstrafe

Ja, es sind auch christliche Länder dabei. Aber zu zwei Dritteln handelt es sich um muslimische Länder. An vorderster Stelle: Saudiarabien und Mauretanien: Rübe ab für ertappte Schwule! Pikantes Detail am Rande: Mauretanien kritisierte 2008 die Schweiz vor der UNO wegen mangelnder Menschenrechte, ließ sich aber immerhin dazu herab zuzugestehen, die Schweiz habe »im Gender-Bereich Fortschritte gemacht«. Ganz im Gegensatz zu Mauretanien offensichtlich:

»Als einer der ersten Staaten wurde vor ­einer Woche im Beisein der Außenministerin Micheline Calmy-Rey die Schweiz durchleuchtet. Die dreistündige Debatte im Uno-Gebäude in Genf war allerdings kein Beispiel eines heilenden, herrschaftsfreien Diskurses, sondern glich eher einem absurden, kafkaesken Stück. Die rund vierzig Diplomatinnen und Diplomaten hatten je zwei Minuten zur Verfügung, um die Anregungen ihrer Länder vorzubringen. Ihre Voten waren mehrheitlich von ideologischen und politischen Eigeninteressen bestimmt und schwankten zwischen Groteske, Unehrlichkeit und Ignoranz. Sie zeichneten das Bild einer Schweiz, die sich zwar um Besserung bemüht, aber sich in vielerlei Hinsicht, was die Umsetzung der Menschenrechte betrifft, noch in besorgniserregender Lage befindet.

Verschiedenste Länder mahnten daher die Schweiz an, so schnell als möglich eine landesweite, ›unabhängige Menschenrechtsin­stitu­tion‹ zu schaffen, welche die Verstöße beobachten, melden und anprangern könnte. Die Betonung auf ›unabhängig‹ suggerierte, daß sie die bestehenden helvetischen Behörden und Gesetze als ›abhängig‹, das heisst als unfähig, parteiisch, verfault oder was auch immer erachten. Die Empfehlungen kamen unter anderem von Ländern wie Deutschland, Malaysia, Mexiko, Indien, Algerien, Saudi-Arabien oder Mauretanien, einem hochkorrupten, von hausgemachten Hungersnöten und Sklavenwirtschaft geprägten Staat, dessen verschleierte Vertreterin der Schweiz immerhin zubilligte, im ›Gender-Bereich‹ Fortschritte gemacht zu haben.

(...) So äußerten sich die meisten Redner besorgt über zunehmende Fremdenfeindlichkeit, Ausländerdiskriminierung und rassistische Stimmung. Islamische Länder wie Ägypten, Katar, Marokko beklagten die menschenrechtswidrige Diskriminierung ihrer Religion, um wie gewohnt eine angeblich zu weit gehende Meinungsfreiheit zu unterstellen. Rußland wunderte sich, daß in der Schweiz Parteien mit unverhohlen rassistischer Gesinnung legal seien; Nigeria sah in der Tatsache, daß die meisten Redner das Thema Rassismus und ­Xenophobie angesprochen hätten, den Beweis, daß Rassismus und Xenophobie eine Realität in der Schweiz seien; und der Feminist aus ­Kanada wußte gar von exzessiver, rassistisch motivierter Polizeigewalt gegen Ausländer zu berichten.

Eine Bündelung dieser Meinungen lieferte der Gesandte des Irans. Er drückte zuerst seine Befriedigung darüber aus, daß die Schweiz in ihre neue Verfassung den Zusatz aufgenommen habe, daß vor dem Gesetz alle Menschen gleich seien. Dann äußerte er aber seine starke Besorgnis über die ›Vorfälle rassistischer Intoleranz‹ und die ›anhaltenden feindseligen Einstellungen gegenüber Schwarzen und Muslimen‹, die ›wir in den jüngsten Jahren beobachtet haben‹. Angesichts der Fälle von ›Misshandlung und Folter‹ in ›Polizeigewahrsam‹ und bei ›Verhören‹ müsse man festhalten, daß die Kantone bei ihrer Aufgabe, die Polizei zu kontrollieren, versagt hätten. Und auch der Frauenhandel, die Prostitution, die sexuelle Ausbeutung und die Gewalt, welche Migrantinnen in der Schweiz riskierten, erfüllten ihn mit Sorge. Aber niemand sei perfekt, munterte der Mann aus dem Gottesstaat, wo mutmaßliche Ehebrecherinnen in einen Leinensack gesteckt, in eine Grube gestellt und mit gezielten Steinwürfen an den Kopf getötet werden, die Schweiz auf. Der Weg zur Verbesserung sei der ›genuine und konstruktive Dialog‹. Ein Dialog, wie ›er bereits existiert‹ zwischen der Islamischen Republik Iran und der Schweiz. Beide Partner ›versuchen einander zu helfen‹, um die Menschenrechtssituation in ihren Ländern zu optimieren.«

Na, dann können wir ja alle zufrieden sein ;-) Frau Calmy-Rey ließ das alles ruhig über sich ergehen, statt den ganzen Unfug einfach zurückzuweisen oder die Sitzung zu verlassen. Möglicherweise möchte sie aus diesen ganzen z. T. absurden Anschuldigungen ihr »linksfeministisches innenpolitisches Süppchen kochen« gegen innenpolitische Schweizer Gegner, wie der Journalist suggeriert. Möglich ist alles bei einer Frau, die qualifizierte männliche Bewerber für den Schweizer diplomatischen Dienst zurückwies, weil eine Frauenquote noch nicht erfüllt war. - Und hier der Artikel in ganzer Pracht:

»Die Menschenrechtler«

Auffallend ist bei der Schwulen-Strafliste, daß weibliche Homosexualität (d. h. Lesbentum) geringer bis gar nicht bestraft wird: Genau dieselbe Sch..., die wir hier im Abendland glücklicherweise (und mühseligerweise) überwunden haben. Und das sollen wir uns nun importieren? Na, Mahlzeit.

Und mit diesem Wort zum Montag entlasse ich Sie in die zweite Adventswoche ...

Rüdiger Happ

5.12.09

»Jammern auf hohem Niveau ...«

sei es, wenn sich Muslime über den Schweizer Volksentscheid contra Minarette erregten, schrieb unlängst ein selbstkritischer türkischer Journalist* in seinem Blatt. Zwar mißbilligte er auch er den Ausgang des Schweizer Referendums, aber kritisch trug der die Fakten zur Lage in der Türkei zusammen: Bis 2003 hatten Nichtmuslime in der Türkei überhaupt keine Möglichkeit, neue Kirchen zu errichten, denn die Bauordnungen sahen nur neue Moscheen vor. Endlich wurde das Wort »Moschee« durch »Gebetsstätte« ersetzt, de facto aber änderte sich wenig. Die Behörden verweigerten ganz einfach die Genehmigungen für Kirchen. Und das in einem relativ »liberalen« Land des muslimischen Teils der Welt. Bevor man hier dazu vordringt, das Recht auf Glockentürme zu debattieren, müßte man erst mal die dazugehörige Kirche selbst genehmigen ... Aber Pustekuchen. Das 1971 geschlossene Priesterseminar auf der türkischen Insel Chalki bleibt geschlossen, die enteigneten Gebäude bleiben enteignet. Und das bei einem Beitrittsanwärter zur Europäischen Union. Pfui.

Derweil geht der zu erwartende Theaterdonner über den Schweizer Entscheid weiter, »dem Publikum soll schließlich was geboten werden. So grollten und grummelten türkische Politiker nach dem Minarett-Referendum in der Schweiz routiniert vor sich hin. Eine ›Schande‹ sei das (Staatspräsident Gül), ein Ausweis der ›Islamphobie‹(Ministerpräsident Erdogan) ... ein gemischt publizistisch-politischer Chor, der wieder einmal die Evergreens muslimischer Empörung vom Blatt sang.«

*laut FAZ vom 3. und 5. Dezember 2009

3.12.09

»Die Muezzine der Mainstream-Medien ...


... waren sich in ihrem Entsetzen einig« über den Volksentscheid der Schweizer, Minarette zu verbieten, so gestern morgen Roger Köppel, der Chefredakteur der Zürcher »Weltwoche«, in einem Gastbeitrag in der FAZ. Tja, dann ist man wohl soweit, mit Bert Brecht zu sagen: »Wäre es nicht gescheiter, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?«

Kuriose Situation: Ein kleines Bergvolk verbietet ein paar Türme, und halb Europa steht kopf - oder versucht wenigstens ersatzweise, die Hände über demselben zusammenzuschlagen ;-) Die Süddeutsche Zeitung sprach von einem »Kollateralschaden der direkten Demokratie«. In Herrenreitermanier befand der Journalist, so komme es eben, wenn man das Volk nicht nur über Turnhallen und Transrapid abstimmen lasse, sonder über alles. Wo kommt man denn da hin!? Dahin:

»Ein Gespenst geht um: die Demokratie. Demokratie heißt Volksherrschaft, und es gehört zu den Berufsrisiken dieser Regierungsform, daß das Volk manchmal anders denkt und fühlt als seine Regierung (...). Das politische Establishment, eifrig unterstützt von allen großen Zeitungshäusern, orchestrierte eine gewaltige Einschüchterungskampagne. Die Schweiz, hieß es, würde sich ins Abseits manövrieren mit dem Kampf gegen die Minarette. Plakate wurden verboten. Man malte das Schreckgespenst arabischer Boykotte an die Wand. Doch die Drohungen verfingen nicht: Bis weit ins linke und liberale Milieu muß die islamkritische Initiative Anklang gefunden haben. Noch selten war der Abstand zwischen den Eliten und den gewöhnlichen Bürgern in der Schweiz so groß.
Das Abstimmungsresultat (...) war nicht Ausdruck von Angst, sondern von Mut. Eine Mehrheit der Schweizer hat sich gegen alle Bevormundungen die Freiheit herausgenommen, eine andere Meinung zu vertreten als die von den Politikern und Intellektuellen gewünschte.(...)
Gerade die EU hat sich (...) zu einem Instrument der Demokratieverhinderung entwickelt. Viele Brüsseler Institutionen sind auf der Grundlage eines soliden Mißtrauens gegen die eigenen Bevölkerungen von oben nach unten errichtet worden. (...)
Was immer an unterschiedlichen Motiven hineinspielte, der entscheidende Grund für das Abstimmungsresultat darf nicht übersehen werden: In der Schweiz herrscht große Skepsis gegenüber dem Islam und vor allem gegenüber dem Integrationswillen der schnell wachsenden muslimischen Minderheit, die innerhalb weniger Jahre auf rund 400.000 Personen anschwoll. (...) Es ist nachvollziehbar und vernünftig, daß die Schweizer hellhörig bis kritisch werden, wenn sie sich mit einer Religion konfrontiert sehen, die im Unterschied zum Christentum ihren weltlichen Herrschaftsanspruch immer noch geltend macht. Das Minarett wurde als Ausdruck des politischen Islam bekämpft und als Markierung, mit der sich die Muslime von der säkularen Schweizer Leitkultur Richtung Parallelgesellschaft abgrenzen wollen.(...) Der Islam ist eine problematische Religion, weil er die Trennung von Kirche und Staat bis heute nicht zustande brachte. (...) Ungeachtet dessen: Die Ausübung ihrer Religion bleibt den Muslimen weiterhin unbenommen. Von einer Einschränkung der Glaubensfreiheit kann keine Rede sein.
Während sich die deutschen Meinungsführer ihren heiligen Zorn über den Schweizer Volksentscheid von der Seele schrieben, meldeten sich ihre Leser mit ganz anderen Voten zu Wort« - nämlich mit Dreiviertel-Zustimmungsraten zum Minarettverbot. Prost und gute Nacht!

30.11.09

Komplett runderneuerte Website :-)

Endlich ist es soweit: Nach 10 Jahren und 3 1/2 Monaten erstrahlt die Website des Marterpfahl Verlags runderneuert in neuem Glanz. Gut - kleine Macken müssen noch beseitigt werden, aber im großen und ganzen ist es doch okay, oder? Sachlicher als früher, ohne große »Stories« oder Bilder, aber gerade das wollte ich ja.

Ach ja: Vor kurzem erhielt ich noch eine Mail: »Hallo Ruth, kannst Du mir sagen ...«

Tja, von Ruth heißt es nun auch Abschied zu nehmen. Schade eigentlich - sie war ein nettes Mädel :-) 10 Jahre lang hat sie uns Literatur serviert ...



... jetzt wird sie uns für immer verlassen *schnüff* ... aber sie wird hoffentlich immer ein warmes Heim haben im Himmel für alte, abgenutzte Phantasien ...

Die arme Demokratie ...

Einer meiner Bekannten betätigt sich in der Freizeit als Amateur-Rockmusiker. Vor Jahren hatte seine damalige Band einen Probenraum, der direkt neben einer Hinterhofmoschee lag. Hier prallten zwei Welten aufeinander. Ständig gab es Ärger, Behinderungen beim Transport der Anlage, dumme Bemerkungen - die Moslems konnten offenbar ganz einfach diese Art von Musik nicht akzeptieren. Ein weibliches Bandmitglied im Minirock wurde gar offen angepöbelt, sie sei eine Hure, eine Nutte. Muß man sich das gefallen lassen? Mein Bekannter, der auch noch andere negative Erlebnisse dieser Art zu berichten weiß, hat denn auch die Nase voll: »Wenn ich mir vorstelle, daß der Ruf eines Muezzins von einem Minarett über mein Wohnviertel schallt, dann macht mir das keine Laune.«

Genau das fanden die Schweizer Stimmbürger mehrheitlich auch - und stimmten für das Minarettverbot. Und lösten einen Wirbelsturm öffentlicher Empörung in ganz Europa aus, besonders schön hier zusammengefaßt. Man faßt sich an den Kopf, wozu sich manche versteigen: »Rassismus« sei der Entscheid (als ob die Moslems eine andere Rasse wären als die Nichtmoslems), »eine Schande für die Schweiz«, zumindest aber ein Angriff auf die Religionsfreiheit.*

Schauen Sie mal hier, werter Leser:



Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Kein Minarett jedenfalls. Und dabei ist das die Al-Aqsah-Moschee in Kairo, eine der wichtigsten Moscheen überhaupt. Minarette sind nämlich keineswegs zwingend für eine Moschee, genauso wenig wie ein Glockenturm für eine Kirche.

Der Glauben ist frei, nicht aber das aus dem Glauben resultierende Handeln. Ein streng protestantischer Niederländer muß laut Gerichtsurteil im Auto den Sicherheitsgurt anlegen, auch wenn er findet, wenn Gott ihn mit einem Unfall strafen wolle, dürfe man dem nicht wehren. Führt eine Schule Schuluniformen ein, sind eben ab sofort sowohl Lumpenjeans als auch Kopftuch passé. Wenn Schächten aus Tierschutzgründen verboten ist, müssen Juden und Moslems eben Fleisch importieren oder vegetarisch leben. Und wenn das Recht auf körperliche Unversehrtheit durchgesetzt wird, dann haben eben Beschneidungen von Knaben und Mädchen aus religiösen, nichtmedizinischen Gründen zu unterbleiben. Punkt.

»Populismus« ist noch der mildeste Vorwurf, den sich die armen Schweizer gefallen lassen müssen. Aber ist die Demokratie nicht dazu gedacht, den Willen des Volkes (lat. »populus«) durchzusetzen? Kann ein Volk auch vernagelte, unsinnige Beschlüsse fassen? Klar. »Wenn 60 Millionen Menschen etwas Dummes sagen, so bleibt es doch etwas Dummes.« (George Bernard Shaw). Vox populi ist eben nicht vox dei. Aber genauso kann sich auch ein Alleinherrscher irren. Oder eine Politikerkaste, wie wir sie jetzt haben. Die Vergangenheit hat allerdings gezeigt, daß das Schweizer Stimmvolk Fehlentscheidungen meist ein paar Jahre später korrigiert, wenn sich die Gemüter beruhigt haben. Konservativ, aber nicht vernagelt, und sich bedächtig, nicht überhastet, an Neues herantastend - das ist nicht die schlechteste Einstellung in dieser Zeit.

Gestern sah ich mit einem Freund den neuen Michael-Moore-Film »Kapitalismus - eine Liebeserklärung«. Das politische System der USA sei ein Spielball, eine Beute des Großkapitals, behauptete der Film und stellte das als eine Entwicklung der letzten Jahre und Jahrzehnte dar - als hätte es nicht schon Ende des 19. Jahrhunderts Klagen gegeben, das Weiße Haus sei eine Marionette der Trusts, der Rockefellers, Vanderbilts etc. Die reichen Plutokraten hätten kein Interesse an der Demokratie, so Moores These. Gewöhnliche Menschen seien für die nur als Arbeitssklaven und Konsumenten interessant. Das Wahl- und Abstimmungsrecht sähen sie am liebsten abgeschafft, da es ihren Interessen schaden könne.

Die wohlmeinende Politikerkaste billigt die Demokratie offenbar auch nur, solange das Volk im gewünschten Sinne abstimmt. Wie lästig, bei Referenden um Zustimmung werben zu müssen, Überzeugungsarbeit leisten zu müssen! »Ich bin froh, daß es Deutschland keine Referenden gibt«, sagte denn auch ein Interviewter heute im Radio erfrischend ehrlich mit Blick auf das Schweizer Minarettverbot. Notfalls läßt man bockbeinige kleine Völker (die Iren, die Dänen) eben so lange abstimmen, bis das Ergebnis aus Sicht der Regierenden stimmt. (Auch in der Schweiz gibt es solche Beispiele - leider).

Kein Wunder, daß die Umfrageergebnisse vor der Abstimmung anders aussahen als das Ergebnis. Viele hielten es für weiser, angesichts des Meinungsdrucks mit ihrer wahren Meinung hinter dem Berg zu halten - bis zur Wahlkabine.

Hach ja - um die Demokratie steht's nicht gut. Von gleich zwei Seiten gerät sie unter Beschuß: Die Plutokraten und Großkonzerne wollen sie nicht, und der wohlmeinenden »politischen Klasse« ist sie ebenfalls meist lästig, assistiert von den meisten Medien, die wieder einmal viel linker sind als vermutlich der Querschnitt auch des deutschen Volkes und mal wieder wie verhinderte Oberlehrer auftreten.

*Seufz* Und das alles an einem Tag, so trist und grau, daß man am liebsten einfach durchschlafen möchte. Na wenigstens darf man sich noch einen tröstenden Rotwein eingießen, solange man noch nicht muslimisch ist ... ;-) In diesem Sinne: Fröhlichen Advent, liebe Leser!

* In den von mir gehörten Radio-Presseschauen hob sich nur eine einzige Pressestimme wohltuend von der allgemeinen Hysterie ab - eine Zeitung aus Passau: »Wenn die Schweizer lieber unter Kirchtürmen leben wollen als unter Minaretten, dann ist das ihr gutes Recht. In einem christlich geprägten Land sollte der Islam nicht so auftrumpfen.« Eben.

16.11.09

Bilder von der Buchmesse

Danke, mein Messegirl :-) - für die Bilder, die Du machtest und die Du mir schicktest!


Dienstag nachmittag. Noch sind wir in Halle 3.1., noch steht uns unser Umzug in 4.1. erst bevor. Kaum zu glauben: Den wackeren Messebauern im Hintergrund wird es bis Mitternacht gelingen, das Chaos in wohlgeordnete, maßgearbeitete Großverlagsstände mit appetitlich angerichteten Büchern zu verwandeln. Noch sieht alles aus wie Kraut und Rüben.


Unser neuer Stand in Halle 4.1. G 563. Fast alles ist fertig - nur die Plastikfolie überm Teppichboden muß noch entfernt werden.


Die wißbegierige Frankfurter Jugend, zu Bildungszwecken aus ihrer Schule auf die Messe abkommandiert, stürmt meine Kabine und rezitiert laut aus »Onanieren für Profis«.


Selbst auf dem Nachhauseweg in der S-Bahn bleibt man vom »Seks« nicht verschont.


Im Frühtau zur Messe wir zieh'n, fallera!
Jeden Morgen das gleiche: Viertel nach acht ziehen wir über die Mainbrücke (hier: Blick nach Osten) Richtung Konstablerwache zur S-Bahn - auch Samstag und Sonntag (unser Bild), wenn die Stadt noch schläft.


Sonntag - der letzte Tag in unserem 4-Quadratmeter-»Redlight-
district« hat begonnen, und die Messe-FAZ mitsamt dem Schluß von Oliver Maria Schmitts Fortsetzungs-
roman »Frankfurter
Verknotung« ist
interessant wie immer. Dank dem Rotstich des Fotos sieht wirklich alles sehr rötlich aus (welchen Filter muß man doch gleich aufsetzen, um bei Kunstlichtaufnahmen Rotstich zu vermeiden?)


Am Montagmorgen ist alles vorbei: Auf dem Weg zu unserem Stand, um das restliche Messegut in zwei Koffer zu packen - und dann ab nach Hause!

Nur eins haben wir jetzt leider nicht gesehen: mein Messegirl im Schotten-Miniröckchen! :-(

7.11.09

Rezension »Die Muschel«

Aus den SCHLAGZEILEN 106:

Heißer Sommer und träge Sehnsucht prägen das Geschehen im Buch ›Die Muschel‹ von Alma N. Noth.
Da ist Inge, die Protagonistin - sie steht auf Latex und enge Mieder und hofft auf die große Liebe, doch desillusioniert holt sie sich ihre Lust, wo sie sie bekommen kann. Zwei Männer sind an ihr interessiert: Frank, der Polizist, und Otto, der Ladenbesitzer. Außerdem ist da noch diese Muschel, die sie in der Tasche trägt. Ob die wohl magische Kräfte hat?
Als dann das erlösende Gewitter kommt, klären sich die Luft und die Gefühle ...
Die Sexszenen sind voll schweißtriefender Lust, wenn auch nicht unbedingt SMig. Die Atmosphäre des Buches ist flimmernd wie heiße Luft, es sollte im Sommer gelesen werden, wenn man selbst vor Hitze fast umkommt und im Kopf ganz wirr ist von zu viel Alkohol.
Mir hat das Buch gefallen, es ist nicht vordergründig oder platt, vieles entdeckt man zwischen den Zeilen oder ist symbolisch angedeutet.

Rezension »Souleaters Zu-Neigung«

Aus den SCHLAGZEILEN 106:

Ich mag Menschen, die über sich selbst lachen können und über das, was wir SMer so treiben. ›Souleaters Zu-Neigung & andere SM-Unartigkeiten‹ ist ein Schatzkästchen mit zauberhaftem Inhalt. Den größten Teil des Buches nehmen kleine Episoden ein, die uns der Autor in Dialogform präsentiert. Da diskutieren Dom und Domsub und Subsub über Liebe und Hiebe und ergehen sich in wunderbaren Absurditäten. Beispiel: Dom: ›Auf die Knie! Nicht auf meine! Auf deine!‹ Weitere Teile des Buches sind der SM-Poetry gewidmet und fiktiven Dialogen aus Avalon und Eden.
Zum Abschluß serviert uns der Autor Kurzgeschichten, verzichtet da auf Komik und überrascht mit Sarkasmus und schwarzem Humor.
Und für die, die schon an Weihnachten denken: Das Buch eignet sich prima als Geschenk.

Rezension »Die Verwandlung«

Aus den SCHLAGZEILEN 106:

Acht Geschichten, die um eins kreisen: die Demütigung des Mannes. Die Wahl der Waffen ist klar: Windeln!
Endlich mal wieder ein Buch für die Liebhaber von Altersrollenspielen. Ich selbst kann zwar mit Windeln nichts anfangen, aber gerade darum finde ich es toll, daß ›Die Verwandlung‹ das Thema aus der Schmuddelecke holt. Die Geschichten sind leicht lesbar geschrieben, lassen Raum zum Weiterträumen und regen durch Themenvielfalt die Phantasie an.
In der Geschichte ›Für den Rest deines Lebens‹ lernt ein gelähmter Mann mit Hilfe seiner Therapeutin, seine Hilflosigkeit und das Windeltragen zu erotisieren, in ›Überstunden für den Chef‹ machen zwei Frauen dem Chef klar, daß er keine Autoritätsperson ist, sondern nur ein kleiner Windelkacker.

Rezension »S & M Dreams Inc.«

Aus den SZ 106:

Und gleich noch einer vom Autor Tomás de Torres: ›S & M Dreams Inc.‹ ist ebenfalls ein fieses Buch, auch wenn es nicht viel gemein hat mit dem ›Narrenturm‹.

Die junge Anwältin Victoria braucht mal Urlaub und bekommt den Tip, bei ›S & M Dreams Inc.‹ zu buchen. Dort kann sie sich nicht nur erholen, sondern gleichzeitig sexuelle Phantasien ausleben. Nach kurzem Zögern nimmt Victoria Kontakt auf, und tatsächlich ist alles so wie erhofft. Sie schildert detailliert ihre Wünsche und erhält die Garantie, daß alles genau so geschieht, wie sie es will, und nicht anders. An einem Morgen wird sie von einem Lieferwagen abgeholt, mit verbundenen Augen zu einem Verlies gefahren, um dort die nächsten 14 Tage zu verbringen.
Die gleiche Idee hat Julie, auch sie bucht diesen Urlaub, um ihre geheimsten Träume erfüllt zu bekommen. Doch anders als bei Victoria läuft es ganz und gar nicht so, wie Julie es will: Sie erfährt, daß bestimmte Frauen, von denen die Firma ›S & M Dreams‹ weiß, daß sie nicht vermißt werden, als Sklavinnen behalten oder sogar verkauft werden.
Ein extrem hartes und unmenschliches Konditionierungstraining beginnt.
Das Buch ist heiß! Unbedingt empfehlenswert für den, der SM (auch mal) ohne Romantik und Einvernehmlichkeit mag. Ich hab es wahnsinnig gern gelesen ...

Rezension »Narrenturm«

Ebenfalls aus den SZ 106:

Na, das nenn ich mal einen fiesen, hinterhältigen Roman, den uns Tomás de Torres mit »Narrenturm« serviert. Miguel Hermano ist ein recht erfolgreicher Autor von SM-Romanen und glücklich mit seiner Sklavin Maria verheiratet. An einem Tag wie jedem anderen verschwindet seine Liebste plötzlich aus seinem Haus. Erst sucht Hermano nach logischen Erklärungen, bis er den Brief eines Entführers findet ... Will Hermano Maria lebend wiedersehen, muß er einen Roman schreiben nach den Vorgaben des Erpressers. Thema des Buches soll ein Narrenturm sein, ein Irrenhaus aus der Vorzeit mit Zwangsjacken und Folter. Hermano fügt sich den Vorgaben und schreibt um das Leben seiner Frau. Parallel muß er Cristina, die Sklavin seiner Frau, bei Laune halten, indem er ihre starke masochistische Ader befriedigt.
Hermano ist ein Antiheld, zögerlich und unsicher, sogar als er kurz vor der Lösung steht, ist er nicht in der Lage durchzugreifen. Der Autor führt uns das Scheitern eines Doms süffisant vor Augen.
Und zum Schluß wird sein schlimmster Albtraum Realität.

Rezension »Gefesselt von Piraten«

Hach - welch ein Tag, so wunderschön wie heute! Von den aktuellen SCHLAGZEILEN (Heft 106) werden wir überschüttet mit Lob, lauter gute Rezensionen - so z. B. für den Zweiteiler »Gefesselt von Piraten«:

Keinerlei Seeräuber-Romantik- oder andere Klischees bedient die Autorin Emily Drummond in ihrem Zweiteiler »Gefesselt von Piraten«.
Die junge und naive Myra lebt bei ihrem Vater in der »neuen Welt« auf den Bahamas und ist mit dem ehrbaren Peter liiert, doch ihr Verlobter hat ein dunkles Familiengeheimnis: Sein Vater ist der berüchtigte Pirat Angus Jones. Jones ist ein Mann ohne Moral und Grenzen, der nur an sich selbst denkt. Als er durch Zufall Myra kennenlernt, zögert er nicht, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die junge Frau in eine dunkle Ecke zu zerren und zu vergewaltigen. Schließlich entführt er sie auf sein Schiff und brandmarkt sie zu seiner Sklavin. Doch die sexuelle Gewalt und die Unterwerfung gefallen Myra, und sie gewinnt so die Anerkennung von Jones und wird ein vollwertiges Mitglied seiner Crew.
Doch auch jetzt wird es nicht romantisch oder liebevoll, sondern reale Gewalt bestimmt Myras Leben: Sie wird gezwungen, anderen Männern und Frauen zu Diensten zu sein, wird Zeugin von Folter und Mord.
Besonders der sadistische Gibbens, ein Gefolgsmann des Piraten Blackbeard, benutzt Myra, um seine Lust zu stillen. Doch als sie Zeugin wird, wie er eine Frau zu seiner Befriedigung quält und durch Verbrennungen tödlich verletzt, wird ihr klar, daß Piraten niemals zahm werden und daß auch sie ihre Achtung verlieren und Opfer werden kann.
Da die Handlung weit in der Vergangenheit liegt, ist der Leser von ethischer Wertung befreit und kann durchaus Spaß an der Gewalt haben, das Buch is aber nichts für Warmduscher-SMer. Für die unter uns, die es gern härter haben, kann ich den Zweiteiler empfehlen.


Und dabei hat die Autorin mir doch schon gesagt, sie habe die reale Gewalt unter Karibik-Piraten um 1800 schon etwas gedämpft, damit die Story nicht zu roh und zu brutal wird ... ;-)

26.10.09

Endspurt auf der Frankfurter Buchmesse (Teil 3 und Schluß)

Donnerstag, 15.10., bis Montag, 19.10.2009

20 vor 7 klingelt der Wecker, Dusche, Frühstück, Outfit raussuchen ...

... und wie es weiterging, können Sie ab 1. Juni 2011 in dem Band »2 x Frankfurt und ein bißchen weiser« (Autor: Rüdiger Happ) nachlesen.

24.10.09

Wie es weiterging auf der Buchmesse (Teil 2 von 3)

Hallo Freunde,

und weiter geht's:

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Mittwoch, der 14. Oktober 2009

Um 6.40 Uhr rasselte mein mechanischer Wecker ...

... und wie es weiterging, können Sie ab 1. Juni 2011 in dem Band »2 x Frankfurt und ein bißchen weiser« (Autor: Rüdiger Happ) nachlesen.

22.10.09

Wie ich zu einem Gratis-Auftritt bei der Frankfurter Buchmesse 2009 kam (Teil 1)

Hallo Freunde,

zurück von der Buchmesse, wird es Zeit zur Rückschau:

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Sonntag, 11. Oktober 2009

Endlich ging es los - am späten Sonntagvormittag, dem 11. Oktober.

... und wie es weiterging, können Sie ab 1. Juni 2011 in dem Band »2 x Frankfurt und ein bißchen weiser« (Autor: Rüdiger Happ) nachlesen.

29.9.09

Klarmachen zum Ändern? Oder fertigmachen zum Untergang?

Eine Randnotiz bei der letzten Bundestagswahl war das Abschneiden der Piratenpartei: Zwei Prozent. Bei den männlichen Erstwählern sogar 13 Prozent. Tja - mit dem von der PP gewünschten »Ändern« wird es erst mal nix. Sind diese zwei Prozent jetzt ein Aufbruchssignal (auch die Grünen bekamen 1980 nur 1,5 %) oder schon der Anfang vom Ende? Ist die Piratenpartei eine Eintagsfliege, oder sind die »Piraten«, was die alt und etabliert gewordenen Grünen um 1980 waren? Als Verleger sehe ich die Positionen der Piratenpartei zum Urheberrecht natürlich mit Skepsis, auch wenn ich den freiheitlichen Anti-Zensur-Geist natürlich andererseits begrüße, denn gerade als Erotikverleger ist man auf liberale Geister in der Politik natürlich ganz besonders angewiesen ...

Nun ja - man wird sehen. Warten wir's ab ...

bofewo 6-8.3.'26

 äläl                   äläl