8.8.10

Schweizer Marterpfahl-Fans

Ja, da muß man doch einfach mal kräftig ...



... ins Horn blasen - so sehr hat die Zahl der Schweizer Besucher der Marterpage von Juni auf Juli zugenommen: um 68 % auf 141! Damit haben die Schweizer jetzt die USA klar distanziert (obwohl auch von dort 19 % mehr Besucher kamen) und auch die Österreicher (121) hinter sich gelassen. Schön! :-)

Die kalte Schulter zeigen mir momentan eher die Holländer und die Chinesen *schnüff*, wohingegen aus Luxemburg eine erfreuliche Besuchersteigerung um genau 50 % zu vermelden ist: Im Juni waren's zwei Besucher, im Juli drei :-) Daran sieht man, daß Prozentzahlen allein noch nicht sonderlich viel aussagen - aber das ist ja nichts Neues.

4.8.10

Büchertempel in Buenos Aires, Maastricht und anderswo ...

Die Frankfurter Buchmesse wirft ihre Schatten voraus. Argentinien ist heuer das Gastland der Messe, und die FAZ stellte unlängst in einem Artikel einen wahren Büchertempel in Buenos Aires vor, die Buchhandlung »Ateneo«, errichtet vor etwa zehn Jahren in einem ehemaligen Theater:



Hier können Sie das Bild in seiner vollen Pracht sehen. Gehen Sie mal auf die detaillierte Bildersuche von Google, dann finden Sie mit den Stichwörtern »buenos« und »ateneo« noch etliche andere Pracht-Ansichten dieses Büchertempels. Kaum zu glauben, daß man mit dem Gedanken gespielt hatte, dieses ehemalige Theater zu einem Parkhaus zu machen ... Bühne frei für das Buch! (Im Gegensatz dazu mußte in Frankfurt das Buch der Automobilmesse auf einen späteren Herbsttermin weichen ...)

Buenos Aires ist ein bißchen weit - aber in Maastricht gibt es eine ehemalige Kirche oder Kathedrale, die jetzt eine Buchhandlung ist:



Auch den Buchladen selexyz sollte man im Breitwandformat bestaunen :-)

Im neuesten SPIEGEL finden sich interessante Artikel über die wild wachsende Buchhandelsgruppe Thalia, die in Österreich einen Kleinverlag mit Buchhandlung mobbt, weil sie den Laden selbst übernehmen möchte, und über das im Deutschland um 1840 noch weitgehend fehlende Copyright, das möglicherweise Deutschlands Fortschritt und Industrialisierung gefördert habe. 14.000 Neuerscheinungen pro Jahr verzeichnete der deutschsprachige Raum damals - im Gegensatz zu England, wo es nur 1000 gab. Dort gab es nämlich schon seit 1710 ein rigides Copyright, und die Verleger nutzten es nicht zur preiswerten Massenverbreitung von Wissen, sondern um sich mit Luxusausgaben eine goldene Nase zu verdienen ... (Nun ja - ich habe noch keine. Auch wenn manche Kritiker meinen, die Preise meiner Bücher seien zu hoch - eine vergoldete Karosse wie manche Londoner Verleger im Jahre 1800 habe ich nicht - NOCH nicht? :-)

2.8.10

Vor 33 Tagen schon ...

... haben sie das Licht der Bücherwelt entdeckt, und erst jetzt komme ich dazu, sie hier mal zu preisen: die Neuerscheinungen von Ende Juni.

»Gerwalt« beschreibt in seiner Mittelalter-Trilogie das spätmittelalterliche Weißenburg im Nordelsaß - und den Lebensweg des »Edelknechts« Rüdiger (sorry, Namensgleichheit rein zufällig;-). Ein Edelknecht ist ritterbürtig, d. h. Sohn eines Ritters, aber Zweit- oder Drittgeborener, erbt also weder die Burg noch den Titel, sondern muß sich anderweitig sein Auskommen suchen, etwa als Fechtlehrer oder Söldner. Rüdiger steht also gewissermaßen sinnbildlich für den Niedergang des Rittertums - und noch dazu hat er eine »dunkle [d. h. SMige] Seite« - lesen Sie, wie er sich trotzdem in der sich wandelnden Welt behauptet und am Schluß ein stolzer Burgherr wird:

Band I: »Weidenrute und Schwert«

Band II: »Feder und Farbe«

Band III: »Kette und Kreuz«

Was »Edelknecht« Rüdiger immer wieder tut - irgendwelche Frauen versklaven, einkerkern und quälen -, das erlaubt sich der Held der Titelgeschichte von »Kopfkino« nur in Gedanken - die restlichen Stories lassen den Gedanken und der Phantasie der geschätzten Leser reichlich Spielraum zum Umherschweifen ...

Am liebsten immerzu in SM-Welten schweifen auch die Protagonisten von »Panik«; aber wenn man dazu bezahlte Gespielinnen braucht, muß man zuvor viel Geld verdienen - z. B. indem man die Angst vor einer Pandemie schürt und dann mit Arzneimitteln viel Geld scheffelt ...

Geht das schief, könnte es allerdings das letzte Spiel werden - so wie »Stu Ungars letztes Spiel« von Eurydike: Der weltbeste Pokerspieler gewinnt im Spiel eine Frau als Sklavin ...

20.7.10

Gesinnungsmobbing allerorten

Kennen Sie das hier, verehrter Leser?:



Das BLINKFÜER war eine linke, kommunistische Fernsehzeitschrift, damals, 1961, als die Mauer gebaut wurde. Nach dem Mauerbau wollte die Springerpresse alle Funk- und Fernsehzeitschriften vernichten, die das »ostzonale« Programm abdruckten. Die Leiter der anderen Großverlage (z. B. Heinrich Bauer Verlag) beeindruckte das wenig, sie lachten nur und empfahlen Springer, ein wenig von der Toleranz zu zeigen, die er selbst vom Osten forderte.

Aber das kleine, machtlose BLINKFÜER (auf der abgebildeten Titelseite versucht ein Artikel Springers »Lügen« zu entlarven) war das geeignete Opfer. Springer drohte allen Zeitungskiosken, wenn sie weiterhin das BLINKFÜER anböten, liefere er selbst keine Zeitungen mehr an ihren Kiosk. Da sie auf BILD und Co., die Umsatzbringer, angewiesen waren, knickten die meisten Kioskbetreiber ein, und das BLINKFÜER war ruiniert ...

Zu spät für das BLINKFÜER entschied das Bundesverfassungsgericht 1969, eine solche Art wirtschaftlicher Machtausübung zur Niederhaltung anderer Erzeugnisse oder Meinungen sei verfassungswidrig: »Das Ziel der Pressefreiheit, die Bildung einer freien öffentlichen Meinung zu erleichtern und zu gewährleisten, erfordert deshalb den Schutz der Presse gegenüber Versuchen, den Wettbewerb der Meinungen durch wirtschaftliche Druckmittel auszuschalten.« (aus Wikipedia, Art. Blinkfüer-Urteil)

Aber was kümmert das die Leute, wenn sie sich auf der »gerechten« Seite wähnen! Und so geht es heute mit anderer Stoßrichtung munter weiter:

Da werden Leute gemobbt, um ihren Job oder ihre Wohnung gebracht, weil sie die »falsche« Zeitung lesen:

Du machst nicht mehr mit!

Da wollen Ver.di, Jusos und etliche weitere Linksorganisationen eine Aktion starten, um »Rechtsblätter« von den Kiosken zu verbannen:

Bund der Vertreibenden: Unser Kiosk soll sauber werden!

... wobei sie unbekümmert die harmlose rechtskonservativ-bürgerliche JUNGE FREIHEIT mit der wirklich üblen »Deutschen Stimme« in einen Topf werfen. Aber auch für letztere gilt: Solange das Bundesverfassungsgericht sie nicht verbietet, gilt für sie die Pressefreiheit ebenso wie für alle anderen.

Gemobbt werden oft auch Leute, die die Politik Israels kritisieren. Insofern mußte sich der deutsch-jüdische Philosoph Ernst Tugendhat auf Kritik bis Schmähkritik einstellen, als er als Schirmherr der Tübinger »Nakba«-Ausstellung auftrat. »Nakba« (etwa: »Katastrophe«) ist das Wort der Palästinenser für jene Vertreibung, mit der sie 1948 aus ihrem Land hinausgemobbt wurden. Tugendhat dazu in einem TAGBLATT-Interview vor rund einem Monat:

Man dürfe aber nicht übersehen, so Tugendhat, »dass die Zionisten nicht wie einfache Einwanderer nach Palästina kamen, sondern mit der erklärten Absicht, dort einen eigenen jüdischen Staat aufzubauen. Das war für die palästinensische Bevölkerung unakzeptabel. Natürlich handelten die zionistischen Juden unter dem Druck des europäischen Antisemitismus. Aber hat, wer aus einem Haus herausgeworfen wird, das Recht, in das Haus eines unbeteiligten Dritten einzubrechen?«

Im wechselseitigen Unrecht hätten also die Zionisten »den ersten Schritt begangen«, meint Tugendhat: »Nicht durch die Einwanderung als solche, sondern durch deren politische Stoßrichtung. Wie die Ausstellung belegt, wussten die zionistischen Führer von vornherein, dass der jüdische Staat nur errichtet werden konnte, wenn die palästinensische Bevölkerung ausgesiedelt würde, und der israelische Staat hat durch die sofortige Ausbürgerung der Geflohenen und die Konfiszierung ihres Besitzes die Verantwortung für ihren Flüchtlingsstatus übernommen.«

Der Schirmherr der Ausstellung weiter: »Dass die Hervorhebung von Tatsachen, die für das israelische Selbstbild ungünstig sind, Antisemitismus sei, ist eine Unterstellung, die aus einem ›Philosemitismus‹ kommt, der sich seinerseits nur aus antisemitischen Wurzeln erklären lässt.« Tugendhat bedauert auch die Erklärungen des Tübinger Kirchengemeinderats und des DGB in Frankfurt, nach denen die Ausstellung nicht gezeigt werden solle. »Das ist Intoleranz und Bevormundung, wiederum motiviert aus der Angst, als antisemitisch erscheinen zu können.«


Ernst Tugendhat ist übrigens der Sohn des Unternehmers Fritz Tugendhat, für den Mies von der Rohe im tschechischen Brünn 1929/30, also etwa zur Geburt seines Sohnes Ernst, eine Villa hinstellte, die seither eine der Ikonen modernen Bauens ist:


Klares Bauen, klares Denken: Villa Tugendhat in Brünn

Gerade mal acht Jahre konnte sich Vater Tugendhat an dem klaren, modernen, großzügigen Bau erfreuen - dann wurde er von den Nazis rausgemobbt ...

PS: In Israel wird das Gedenken an die »Nakba« vielleicht demnächst unter Strafe gestellt.

3.7.10

Zum Viertelfinale: Musik!

Passend zum gleich beginnenden Viertelfinale: Sonate für Vuvuzela. Hier der Anfang:



... und hier der Schluß:

30.6.10

rororo ist der König!
Revolution am 17. Juni - vor 60 Jahren ...

Es geschah am 17. Juni 1950. Auf den Tag genau drei Jahre später würden die Arbeiter in Ostberlin auf die Straße gehen, am 17. Juni 1950 hingegen machte der Rowohlt Verlag Revolution - die ersten vier »rororo«-Taschenbuchtitel kamen auf den Markt.



Nach dem Krieg hatte Rowohlt zunächst (für eine Reichsmark) die »Rowohlts Rotations-Romane« unters Volk gebracht, auf billigem, schlechtem Zeitungspapier, im Rotationsdruck, im Zeitungs-Großformat. Dann sah sein Partner Ledig in den USA die dort populären Taschenbücher, und die Idee war geboren, so etwas auch in Deutschland einzuführen.

Mehr als den Stundenlohn eines Arbeiters sollte so ein Buch nicht kosten - 1,50 DM pro Band. Eine Startauflage von 50.000 Stück pro Band machten ihn möglich. Der Druck war oft winzig klein, das Papier mies - immer noch Zeitungspapier und Rotationsdruck, nur nicht mehr das große Format; ein leinener Buchrücken sollte die Gediegenheit fest gebundener Bücher vortäuschen. (1961 konnte man darauf verzichten: Das Taschenbuch hatte sich hierzulande durchgesetzt, war akzeptiert).

Die Resonanz des Publikums war sehr positiv: Schon 1951 wurde das zweimillionste Taschenbuch gedruckt. Zur Feier des Jubiläums ließ sich der Verlag etwas Besonderes einfallen: Bei 50 Exemplaren von Edgar Maass' Titel »Der Traum Philipps II.« war an einer Stelle das Wort »König« durch »rororo« ersetzt worden. Wer ein solches Exemplar besaß, wurde lebenslang mit den rororo-Neuerscheinungen beliefert.

Leider sind die Namen der damaligen Gewinner nicht mehr überliefert - das Rowohlt-Archiv brannte 1970 komplett aus. Eine schöne Geschichte ist es dennoch ...

Um die rororo-Preise billig zu halten, schaltete Rowohlt auch Reklame in seinen Taschenbüchern - für Pfandbriefe und Parfüm, für Zigaretten und Benzin. Manch Interessantes erfuhr man dabei, denn z. B. die Pfandbrief-Reklame war auf den Inhalt des Bandes abgestimmt - in Upton Sinclairs »So macht man Dollars« erfuhr man, daß manche Dollarnoten in den 20er Jahren so großformatig waren, daß sie scherzhaft »Pferdedecken« genannt wurden, und in dem Band des Algerienfranzosen Albert Camus »Die Pest« hieß es: »War Algerien einst ein exotisches, fernes Reiseziel, so erfahren es heute immer mehr deutsche Touristen mit der NSU Quickly«, einem populären 1,4-PS-Moped. Das waren noch Zeiten: Hartgesottene Touristen und friedliches, bereisbares Algerien ... (Auch das Archiv von NSU existiert übrigens nimmer: Es verschwand nicht durch Feuer, sondern durch mehrfaches Hochwasser der Sulm). Gottfried Benn sagte über die ersten rororo-Taschenbücher: »Das mit der Zigarettenreklame im Buch finde ich nicht schlimm, vielmehr sehr modern. Was die deutsche Innerlichkeit dazu sagt, ist mittlerweile völlig gleichgültig, die will ihren Schlafrock und ihre Ruhe haben und ihre Kinder dußlig halten ...« Und heute wäre »Zigarettenreklame« shocking. O tempora, o mores.

23.6.10

Zur Preislage des Verlags (mal wieder)

»Wir müssen uns des öfteren anhören, Bücher im allgemeinen und unsere im besonderen seien zu teuer. Damit da Ruhe ist: ...« - so setzte Gerd Haffmans, Verleger von Büchern, die etwas teurer als die anderen waren, zu einer Philippika gegen den »allgemeinen Schrei nach dem billigen Buch« an. Das Thema bleibt aktuell, wie eine Amazon-Rezension zu Band I von »Entführt« beweist:

Warum keine volle Punktzahl?
Ging es nur um den Verlag dann wären es noch weniger. Was man bei seiner leidenschaftlichen Suche manchmal übersieht, dieses Buch hat weniger als 200 Seiten !! ist also ein Büchlein! Man braucht alle 3 für die fortlaufende Geschichte und das ist bei dem billig Druck ein unmöglicher Preis. Ich Illustriere oft für kleine spezielle Verlage, kenn mich ein wenig aus und finde es..... frech.
Entweder man glaubt kaum einen Markt dafür zu finden und traut sich nur an eine sehr sehr kleine Auflage ran, von wenig als 100,( was Quatsch ist, denn der Markt ist groß genug, das Buch gut ) oder man glaubt , dass Spezielle Menschen sowieso so durchgeknallt sind und jeden Preis zahlen für Spezielles( weis nicht, aber von Spielzeug oder Kleidung hätt ich länger was )
Oder man ist einfach etwas gierig.
Ich behalte normalerweise die Bücher die ich mag und unterstütze kleine individuelle Verlage, aber hier mache ich eine Ausnahme, kaufen ,lesen, weitergeben.


Nun, die Preise sind so, wie sie sein müssen, wenn ich davon leben will. Haffmans 1985: »Es geht darum, kleine Auflagen wieder ertragreich möglich zu machen.« So ist es.

>Entweder man glaubt kaum einen Markt dafür zu finden

Der Glaube mag Berge versetzen, aber er bewegt kaum Käufermassen. »Morgendunkel« oder »Don Juans letzter Flirt«, »FamilienWerte« und »Audienz beim Sonnenkönig« sind genauso gut, das fand ich, das fanden Testleser, das fanden Rezensenten - nur das Publikum nicht, mag es nun an den wenig »smig« klingenden Titeln liegen oder woran auch immer. Bei diesen Titeln hatte ich »geglaubt« und je 1000 Stück offsetgedruckt - und jetzt liegen hier nach zwei, drei Jahren immer noch 700 bis 800 Stück rum, verstopfen das Lager und binden Kapital. Passiert mir das öfter, kann es zur wirtschaftlichen Katastrophe werden. - Seit diesen Erfahrungen drucke ich von neuen Titeln wieder nur ca. 150 Stück als Startauflage, digital, »printing on demand«. Sollte es dann gut laufen - wie bei »Entführt« -, kann ich auch mal 500 oder 1000 Stück auf einmal drucken lassen. Die dann sinkenden Stückkosten bei konstantem Ladenpreis erlauben es mir, ein kleines finanzielles Polster zu bilden, das der Verlag in Flautezeiten dringend benötigt.

Die ganze »Entführt«-Geschichte in einem Band zu 19,99 Euro oder gar zu 9,99 Euro - das können sich Großverlage leisten, die 10.000 Exemplare drucken und auch loswerden können - bei mir sieht die Kostenrechnung anders aus: Ladenpreis 18,50 Euro. Der Löwenanteil des Geschäfts geht über Buchgroßhändler, die 50 % Rabatt und portofreie Lieferung verlangen. Bleiben dem Verlag ca. 9,- Euro. Minus Autorenhonorar: Verbleiben dem Verlag ca. 7,50 Euro. Minus Druckkosten in Kleinauflage: Bleiben dem Verlag ca. 4,- Euro. So. Und diese 4 Euro müssen nun reichen für Titelbildfotograf und -grafiker, IHK, Hilfskraftlohn + Sozialabgaben, alle paar Jahre ein neuer PC - und und und ... und nicht zuletzt meinen Lebensunterhalt. Eine Fettlebe ist das nicht.

>Ich Illustriere oft für kleine spezielle Verlage, kenn mich ein wenig aus

Ich kenne mich sogar noch ein wenig mehr aus, mit Umsatzverantwortung und persönlicher Haftung, und wenn ich etwas aus einem Dutzend Jahren Verlegertätigkeit gelernt habe, dann das: Das Publikum ist unberechenbar. Wäre es berechenbar, würden ja nur noch Bestseller produziert ...

Es gibt zwar Faktoren, die den Erfolg begünstigen (so mag das Publikum anscheinend knallharte Maledom-noncon-Stories und übersieht oft die Bücher mit den »leiseren Tönen«), aber letzten Endes ist der Verkaufserfolg unvorhersehbar. Und daher bleibt's bis auf weiteres bei (teureren) Kleinauflagen - sorry ...

Köhler und Waldheim - zwei fade Karrieristen im Vergleich


Soeben blättere ich noch mal im »Notizbuch des Johannes Gross« und stoße auf einen Eintrag von 1986. Damals begann man sich international, vor allem in den USA, über die Vergangenheit von Kurt Waldheim zu echauffieren. Jahrelang war er als UNO-Generalsekretär gut genug gewesen, sein Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg war bekannt gewesen - nun war er österreichischer Bundespräsident, und auf einmal wurde er zur geächteten Person, sogar mit Einreiseverbot in die USA, wenn ich mich recht erinnere. Johannes Gross dazu am 2.5.1986:

»Aus Anlaß des Falles Waldheim erinnert in England jemand an die Bemerkung, die Asquith 1914 machte - die Österreicher sind bei weitem das dümmste Volk in Europa. Die Erinnerung ist ganz unpassend. Die Österreicher haben sich nach dem Zweiten Weltkrieg eher schlau verhalten, nur sind sie jetzt in der Person Waldheims erwischt worden, womit sie nicht mehr zu rechnen brauchten. Auch Waldheim selbst ist kein dummer Österreicher, allerdings, wie ich in einem langen Gespräch in Genf vor vielen Jahren erfahren durfte, ein sehr langweiliger Österreicher (...). Er weiß wohl, daß jede spontane Geistesregung, jede frische Formulierung, jedes Urteil, das nicht als abgegriffene Münze längst umläuft, dem Ruf, ein seriöser Mensch zu sein, irgendwann schaden könnte und damit einer Karriere. Ein überzeugter Nazi ist Dr. Waldheim keineswegs gewesen, er hätt' sich auch einer risikoarmen Form des Widerstands anschließen können, wäre bloß früher zu ahnen gewesen, daß dies der Laufbahn dienlicher gewesen wäre. Unbegreiflich wäre es, daß Waldheim, der schon so viel Schönes erreicht hat, unbedingt auch noch Präsident der Republik werden will, wenn man nicht von der Faszination wüßte, die gerade die machtlosen Würdeämter auf die Ehrsüchtigen ausüben - der Höchstgeachtete im Land, der selber keine Verantwortung trägt, aber alle anderen an die ihrige erinnert, der nicht selber denken muß, sondern Denkanstöße vermittelt und bei alledem außerhalb aller Kritik bleibt. - Es muß wahrhaftig jemand schon sehr blöd sein, in einem solchen Amt zu versagen, freilich auch sehr tüchtig, um darin zu exzellieren.«

So ist es. Ebenfalls derzeit auf meinem Nachttisch: J. K. Galbraiths »kleine Geschichte der Spekulation«. Unfaßbar, wie die Menschen gerade in diesem Bereich aus der Geschichte nie etwas lernen, immerfort dumm bleiben. Die Muster ähneln sich stets, von der Tulpen-Spekulation in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts über 1929 bis zur »Dot-com«-Blase 2001: Jedes Mal denken die Anleger, diesmal sei es etwas gaaanz anderes als jemals zuvor, diesmal werde der Boom ewig anhalten, und wenn es doch irgendwen treffe, dann immer die anderen, niemals einen selber ...

Profund auch Galbraiths Erkenntnis über die Besetzung hoher Stellen, diese würden statt mit dem Intelligentesten und Tatkräftigsten oft mit blassen Kompromißkandidaten besetzt, mit irgendeiner grauen Maus, einem Bürokraten, der keinem weh tut und auf den alle rivalisierenden Fraktionen sich einigen können. - Der bayrische Kultusminister Maier schrieb mal in den 80er Jahren, so sei es oft bei Berufungen auf einen Lehrstuhl: x und y und z stünden zur Wahl, und auf einmal erinnere man sich: »Mit dem x war mal was!« Leider weiß keiner mehr, was das war (Google gab es noch nicht), und wenn sich dann schließlich herausstellt, daß x durch etwas besonders Positives, durch Initiative und Leistung aufgefallen war, ist es meist schon zu spät - die graue, angepaßte Maus sitzt schon auf dem Lehrstuhl.

Selbst das Essen scheint in höheren Kreisen immer fader, gewissermaßen diplomatischer zu werden: »Der amerikanische Gastrosoph Calvin Trillian, der nicht wie die meisten seiner Zunft dazu neigt, über jedem Essen schwer zu werden, hat herausgefunden, warum die Mahlzeiten in den amerikanischen Clubs um so weniger schmecken, je exklusiver sie sind: ›Das Essen an diesen Orten ist so geschmacklos, weil die Mitglieder Knoblauch und Gewürz für für eben jene Leute kennzeichnend halten, die sie nicht reinlassen wollen.‹ Viele Exklusivitäten beruhen auf diesem Prinzip. Zu höchsten Zirkeln hat keinen Zutritt, wer unvorhersehbare Äußerungen tut, der Wort- und Ideenschatz wird umgewälzt und gering gehalten.« (Johannes Gross am 20.5.1983; inzwischen scheint es sich - in Deutschland zumindest - an diesem Punkt sogar ins Gegenteil verkehrt zu haben: Wer Knoblauch verabscheut, steht irgendwie in dem Geruch eines Spießers, der die feine mediterrane Lebensart nicht zu schätzen weiß; überall wird Knoblauch reingesemmelt, die Süßspeisen werden gerade noch verschont).

Köhler war so ein typischer blasser Karrierist, glaubte aber irrtümlich, ein origineller Kopf zu sein. Wenn er die Jugend dazu aufrief, auch mal was zu riskieren, die »Vollkasko-Mentalität« abzulegen, dann fiel ihm offenbar gar nicht auf, daß er das genaue Gegenteil davon war: Bedächtig einen Karriereschritt nach dem anderen machend und immer auf seine Absicherung bedachtet. Schon Präsident des IWF war er nur geworden, weil die Amis den ursprünglich vorgesehenen Caio Koch-Weser abgelehnt hatten, als Kompromißkandidat also. Als Bundespräsident war er das Geschöpf von Westerwelle und Merkel, wurde aber böse, wenn das jemand aussprach. Er wurde überhaupt häufig böse und raunzte Mitarbeiter an und vergraulte so viele. Da war Waldheim anders: Er tarnte offenbar seine Fadheit als feine Diplomatie und wahrte so den Schein, versuchte nicht, als origineller Kopf zu erscheinen, als den ihn eh keiner ernst genommen hätte.

Und was folgt nun? Entweder ein weiterer bläßlicher Apparatschik (Wulff) oder eine gehässige linke Matrone (Lukrezia Jochimsen) oder ein Präsident, der mal etwas mehr ein echter Charakter ist (Gauck) ...

22.6.10

Das Neueste aus der Anstalt:
Schweden will das Bargeld abschaffen

Wird es ihn bald nicht mehr geben?:



Jemand sagte mal in den 70er Jahren, im Jahr 2000 werde es nur noch fünf Könige geben: die vier im Kartenspiel und den von England. Er irrte sich. Aber in Münzgestalt wird's dem schwedischen Herrscher demnächst vielleicht wirklich an den Kragen gehen. Eine große Koalition aus Gewerkschaftern, Unternehmensverbänden und Feministinnen macht nämlich in Schweden seit Monaten Front gegen das gute alte Bargeld - wenn es nach denen ginge, soll es alsbald völlig abgeschafft und ganz durch bargeldlose Zahlung ersetzt werden.

»Nur Bares ist Wahres«, weiß der Volksmund sehr richtig. Bargeld sichert uns einen letzten Rest von Freiheit und Unabhängigkeit vor Banken und einem zunehmend gierigen Staat - und deswegen haben Banken und Staat schon vor Jahrzehnten zum Feldzug gegen das Bargeld geblasen: weil es Arbeit macht, gezählt, kontrolliert und bewacht werden muß, weil es den Leuten Unabhängigkeit gibt ...

Genau das ist manchen Schweden ein Dorn im Auge. »Jede dritte Krone ist Schwarzgeld!« polemisieren sie, wer bar zahle, habe was zu verbergen (ja: den letzten Rest Privatleben), fördere die Schwarzarbeit oder bezahle gar eine Nutte damit - was Feministinnen als schockierendster Verstoß gegen die »schwedischen Werte« gilt. (Ist schon traurig, was aus einem der einst freizügigsten Länder Europas geworden ist).

Und deswegen soll - wenn die Lobbyisten damit durchkommen - aus der Schwedenkrone eine rein virtuelle Währung werden. Als Aufhänger der Kampagne dienen einige häßliche, brutale Raubüberfälle. Die würden wir dann in der Tat nicht mehr haben, dafür aber zusätzliche Kosten durch die Karteninstitute. Nicht umsonst heißt es in billigen amerikanischen Lokalen neuerdings sogar: Cash only!

Das heißt auch: Als Fluchtwährung aus dem wackligen, unsoliden, unsympathischen Euro käme so was für mich nicht mehr in Frage - auch wenn man seine Fluchtgelder natürlich i. d. R. nicht bar unterm Kopfkissen, sondern auf einem Auslandskonto hat. Aber so eine rein virtuelle, völlig regierungskontrollierte Währung (gibt's in Schweden überhaupt ein Bankgeheimnis? Nein, nicht wahr?) wäre mir noch unsympathischer. Da haben die Schweden schon klugerweise ihr eigenes Geld behalten, statt auf diese Kunstwährung »Euro« reinzufallen, und dann so was ...

Man stelle sich vor, Deutschland wäre 1933 schon ein bargeldfreies Land gewesen - noch nicht mal 'ne aufmunternde Tasse Kaffee oder ein beruhigendes Bierchen hätten die Flüchtlinge vor den Nazis unterwegs zu sich nehmen können!

Näheres über diese Plastikgeldpläne bei SPIEGEL-online.

Nachbemerkung: Geht es eigentlich nur mir so?: Ich habe immer mehr das Gefühl, in einem Irrenhaus zu leben ... Soeben lese ich, daß in den USA eine Zockerbörse, ähnlich dem Warenterminhandel, nur gegründet auf »Filmderivate«, gegründet werden soll - ein Milliardenspielkasino, in dem auf die Einspielergebnisse von Hollywood-Spielfilmen gewettet werden soll. In Schweden soll das Bargeld abgeschafft werden, deutsche Steuermilliarden werden mißwirtschaftenden Griechen hinterhergeschmissen ...

Die Anstalt, die die Welt bedeutet ... Wurde die Sendung »Neues aus der Anstalt« deswegen kürzlich eingestellt, weil sie von der Wirklichkeit überholt wird?

24.5.10

Das Frauen-Jagdrevier

Island wäre kein skandinavisches Land, würde dort nicht neben der Staatspleite noch ein anderes weltbewegendes Problem gebührend gewürdigt: der feministische Geltungsdrang. Frauentaxis, Frauencafés, Frauenbibliotheken und ähnlich sexistische, männerdiskriminierende Einrichtungen kennen wir ja schon lange - auf Island aber gibt es sogar ein eigenes Jagdrevier nur für Frauen, kenntlich gemacht durch dieses Schild:



Tja - wer keine Sorgen hat, der macht sich welche:



Wenn mehr Geld in die Bildung fließt, bleibt für die Sanierung der Gehwege nichts mehr übrig - ist doch logisch, oder?

(Bildquelle: WELT-Bildergalerie mit kuriosen Verkehrszeichen)

Facebook, die Datenschleuder

Facebook sei eine regelrechte Datenschleuder, erklärte mir kürzlich ein Freund, der wie ich gewillt ist, Facebook niemals beizutreten: »Je nach Einstellung hat Facebook Zugriff auf deinen gesamten Rechner, besonders auf dein Outlook-Emailadreßbuch.« Das wäre natürlich fatal für viele meiner auf Diskretion pochenden Autoren.

Aber es kommt noch schlimmer.

Agentin Fields kann dem Charme James Bonds nicht lange widerstehen.

Nicht widerstehen konnten rund 200 israelische Elitesoldaten dem Charme einer hübschen Frau auf Facebook. Sie begannen zu plaudern, sich in Gespräche zu verstricken, sich unversehends militärische Geheimnisse entlocken zu lassen ... von einer eingeschleusen Agentin (vermutlich) der Hisbollah:

Die schöne Frau Zukerman.

(Nein, nicht Zuckerberg - das ist der Gründer von Facebook. Anyway - beide sind offenbar der Auffassung, Privatsphäre sei etwas Veraltetes).

»Regierungsbeamter, im Besitz wichter Top-secrets, wünscht Bekanntschaft mit erfahrener Blondine aus dem Agentenfach. Spätere Erpressung nicht ausgeschlossen«, erdichtete einst Ephraim Kishon eine Kontaktanzeige. Die Wirklichkeit hat ihn (fast) eingeholt.

19.5.10

Verrat!

Es ist schon merkwürdig: Eigentlich wollte ich hier mal über dieses neue, komische Spray schreiben, das britische Wissenschaftler entwickelt haben und das Machos in einfühlsame Schmusebären verwandeln soll ... oder die Freunde gepflegter Lektüre auf das Buch »Harem Girl« aufmerksam machen, wo eine Frau ihre Erlebnisse als wohlbezahlte Edelnutte des Sultans von Brunei schildert, aber mir ist irgendwie die Lust vergangen.


»Das Riechsalz bitte! Von den Zumutungen der Politik fällt man ja in Ohnmacht ...«

Helmut Kohl wurde unlängst 80 – ich hätte Lust, ihn pausenlos in den dicken, selbstgefälligen Hintern zu treten, daß er uns in diesen Euro hineingezwungen hat, gegen alle Mahnungen von Volkswirtschaftlern, beratungsresistent ...



Eine Verhöhnung der Opfer des Archipel GuLag, so hätte ich noch vor kurzem dieses in Rechtskreisen beliebte Motiv eingeschätzt. Natürlich war die Sowjetunion viel schlimmer, als es heute die EU ist, aber gewisse »Konvergenz-Tendenzen« gibt es schon: »Die EU verliert allmählich die Geduld mit dem Sonderfall Schweiz«, hieß es vor Jahren in diversen EU-Medien, so, als sei die Schweiz ein ungezogenes, widerborstiges Kind und kein souveränes Land, ein noch dazu demokratisches Land, das der Bevölkerung auch mal die Chance läßt, gegen die EU zu stimmen. Bei uns in Deutschland haben ja alle Politiker Angst vor dem Volk. Ex-Außenminister Joschka Fischer fand es noch 1994 gut, daß das dänische Volk nein zum Euro gesagt hatte: »Man kann den Menschen nicht von oben mehr ›Europa‹ aufzwingen, als diese auch wollen.« Ein Dutzend Jahre später war er Außenminister und somit Mitglied jener elitären »politischen Klasse«, die immerfort meint, die Normalbürger erziehen zu müssen ... Die Abschaffung der Grenzkontrollen an den Binnengrenzen läßt nicht nur die Autodiebstähle entlang Deutschlands Ostgrenze ansteigen, sie würgt auch den früheren kleinen Grenzverkehr z. B. an der polnisch-ukrainischen Grenze ab; an den Außengrenzen wirkt die EU als abweisende »Festung Europa«, die mit Spiegeln unter und CO2-Meßgeräten in Lkws nach illegalen Immigranten schnüffelt wie einst die DDR-Grenzer mit ähnlichen Methoden nach illegalen Emigranten. (Meine Mutter, Gemeinschaftskundelehrerin, veranstaltete in den 80ern immer Klassenfahrten in die DDR und war halb entsetzt – aus Furcht –, halb stolz auf einen Schüler, der DDR-Grenzern »Das sind ja Gestapo-Methoden!« zurief, als die Hunde auf dem Zugdach schnüffeln ließen und Spiegel unter die Waggons schoben. Sie würde sich im Grab rumdrehen, wenn sie wüßte, daß das heutzutage Standard der »modernen« EU-Außengrenze ist).

Es sei eine Beleidigung aller Diktaturopfer, wenn man als Bürger einer Demokratie nicht zur Wahl gehe, beschied mir kürzlich einer in einem Internet-Forum. Ja, so dachte ich auch einmal. (Merkwürdig, warum muß ich gerade an eine strenge Mami denken, die den Kinderteller voll Spinat häuft und dann das trotzige Kind anherrscht: »Andere Kinder wären froh, wenn sie nur die Hälfte von all dem auf dem Teller hätten!«? – »Ich auch, Mami!«). Eine Beleidigung denkender Menschen ist es, wenn man ihnen nur die Wahl zwischen Ja, Ja und Ja läßt. Welche Partei hätte denn ein deutscher Eurogegner in den 90er Jahren wählen sollen? NPD?

Die »staatstragenden« Parteien haben die europäischen Verträge mit honeckerhaften 90-Prozent-Mehrheiten durchgewinkt; die Bevölkerung wurde nicht gefragt. Der Vorschlag »Ja, dann gründe doch eine Anti-Euro-Partei und sieh zu, daß die Bevölkerung dich wählt!« ist ähnlich wirklichkeitsfremd wie: »Du bist unzufrieden mit den Geschäftspraktiken der Großkonzerne? Dann gründe doch selbst einen und mach’s besser!«

Dann kam die Kunstwährung »Euro« endlich – und sackte von Dollarparität auf 0,80 US-Dollar ab. Der Schweizer Botschafter in Berlin spottete damals: »Mit dem Euro ist es wie mit der Liebe mit einem Mann: Erst gibt es Schwierigkeiten bei der Einführung, dann kommt er endlich, und dann ist auch schon wieder vorbei mit der Stabilität ...«

Wir hatten jetzt eine Kunstwährung, die sich noch nicht mal traute, reale Personen oder Gebäude auf ihren Geldscheinen abzubilden, weil das sofort für Zank unter den beteiligten Nationen geführt hätte. Wie soll das erst bei wirklich wichtigen Problemen aussehen? So ähnlich wie jetzt vermutlich ...

Nach dem selbstgefälligen »Europäer« Kohl hatten wir dann einen Gerhard Schröder als Kanzler, der seine persönliche Eitelkeit über alles stellte. Seinen Friseur verklagte er, weil der gesagt hatte, der Kanzler färbe sich die Haare. Als Deutschlands Neuverschuldung die laut Stabilitätspakt höchstzulässigen 3 Prozent des Bruttosozialprodukts überstieg, setzte er Himmel und Hölle in Bewegung, um keinen »blauen Brief aus Brüssel« zu bekommen. Im Vorwahlkampf gut dazustehen war ihm wichtiger als die Stabilität unserer Währung.

Der Euro werde die Völker Europas zusammenführen, heißt es. Im Gegenteil: Er wird sie entzweien. Man stelle sich vor, wir hätten schon 1960 einen Euro gehabt. Der Dauerknatsch zwischen den stabilitätsliebenden Deutschen und den Larifari-Italienern wäre vorprogrammiert gewesen. Aber wenn jeder im wesentlichen auf eigene Rechnung wirtschaftet, kommt man miteinander aus.

Nur mit einer Einheitswährung könne Europa den Chinesen und Amis Paroli bieten, heißt es. Da ist er wieder, der Gedanke, Europa müßte so eine Art mächtiges Imperium oder Riesenstaat werden. Dabei wird es in Zukunft gewiß genau so viel Raum für kleinere Nationen wie Schweden oder Neuseeland geben wie bisher auch. Ein gutgehender mittelständischer Betrieb muß doch auch nicht zu einem Großkonzern mutieren, um erfolgreich zu bleiben ...


Das ist die volle Härte: Maggie Thatchers Muschi als Nußknacker

Eine Londoner Profidomina erzählte mal, zu ihr seien viele britische Hinterbänkler gekommen, die sich wünschten, sie, die Domina, solle vor der Züchtigung eine Gummimaske mit den Zügen der eisernen Lady aufsetzen; oder sie wollten eine thatcherartige Handtasche über den Rücken gezogen bekommen ... Sie holte für die Briten alles raus: Beitragsrabatt, kein Euro.

Angie Merkel geht eine derartige Ausstrahlung von Autorität offensichtlich völlig ab ...



... vor allem gegenüber Sarkozy. Der soll in der Nachtsitzung wg. Griechenlandhilfe neulich angedroht haben, wenn Merkel nicht nachgebe, werde Frankreich aus dem Euro austreten – doch statt freudig auf das Angebot einzugehen und uns die D-Mark wiederzugeben, ließ Merkel sich über den Tisch ziehen. Morgens krähte der Hahn, und die Europäer wachten in einer neuen EU auf:

Die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank – mit einem Federstrich beseitigt.

Kein EU-Staat darf einem anderen helfen? Wird ignoriert.

Die EZB ist jetzt ein politisches Instrument zum inflationsgesteuerten »deficit spending« à la française. Es soll sogar die Banknotenpresse angeworfen werden, um Defizite zu finanzieren. Die letzten Stabilitätsversprechungen wurden fix in die Mülltonne geworfen.

»Haben Sie noch Anlagen in Euro?« wurde Alt-Bundesbankpräsident Pöhl vom SPIEGEL gefragt. »Ja«, antwortete er. »Noch ...« Daß Spekulanten den Euro in Bedrängnis gebracht hätten, glaubt er nicht. Sarkozy sei es eher um die in Griechenland engagierten französischen Banken gegangen. »Die großen institutionellen Anleger, US-Pensionsfonds etwa, müssen auf den Schutz ihrer Anleger achten und gehen natürlich aus griechischen Staatsanleihen raus, wenn sie den Eindruck haben, die würden nicht mehr zurückgezahlt. Das ist ganz normales Marktgeschehen.« Eben! Nichts gegen Bankenregulierung und Eindämmung der Spekulation – aber die Verantwortung für Mißwirtschaft und Schuldenmacherei auf die pöhsen Spekulanten zu schieben ist zu billig.

»Merkel hat uns an die Franzosen verraten!« schäumte ein Leserbriefschreiber vorgestern in der FAZ. Die Formulierung wie aus längst vergangenen Tagen verrät, wieviel Haß der Versuch erzeugen kann, gewaltsam zusammenzuzwingen, was nicht zusammengehört.

Was nun, was tun, um unser sauer Erspartes vor der Entwertung zu retten?

Politisch etwas ändern zu wollen, ist m. E. ganz aussichtslos. »Die Eurokraten in ihrem Lauf / halten weder Wähler noch Demos auf.« Höchstens wenn wir alle bankrott sind. Aber dann ist es zu spät.

Die Sonntags-FAZ hat das Thema auch entdeckt, bietet aber nur halbgare Lösungen. In US-Anleihen investieren, rät ein »Spezialist«. Als wenn die USA nicht selbst bis zur Halskrause verschuldet und schon halb in der Hand Chinas wären ...

Aktien seien noch billig zu haben, tönt ein anderer »Spezialist«. Der Dax bewegt sich ja auch wie ein Jojo – runter auf 3500 Punkte, rauf auf 6000, runter, rauf ... Man muß wohl mit einem Nervenkostüm wie weiland der alte Kostolanyi gesegnet sein, um das mit seinen eigenen Ersparnissen mit anzusehen, ohne schreiend davonzulaufen ...

Immobilien könnten auch im Preis sinken – zu dieser überraschenden Erkenntnis kommt die Verfasserin eines weiteren Sonntags-FAZ-Artikels. Dann verwechselt sie noch die Hyperinflation von 1923 mit der Weltwirtschaftskrise von 1929 und noch so einiges mehr. Das Problem: Immobilien in Westdeutschland sind meist teuer; die verführerisch günstigen ostdeutschen Immobilien sind schwer vermietbar, weil die Leute dort mangels Jobs in den Westen wegziehen und die Leerstandsquote hoch ist. Ferner muß man sich kümmern und investieren, ggf. einen Verwalter bezahlen, »Mietnomaden« und andere Risiken drohen ...

»Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles« – vor allem jetzt. Der Goldpreis erklimmt ein Allzeithoch nach dem anderen, also ist jetzt ein eher schlechter Termin zum Einsteigen. Dennoch sind Gold und Silber sicher nicht schlecht zur Sicherung des Ersparten. Aber gut verstecken! ;-)

Die Schweiz macht sich derzeit schon Sorgen, daß sie als kleines Land mit allzuviel Fluchtkapital aus der EU überfrachtet werden könnte, und stützt derzeit den Euro durch ihre Nationalbank. Auch sind schweizerische Banken stark in Griechenland engagiert. Mit einer grundsoliden kleinen Kantonalbank ohne Gigantomanie und internationale Finanzabenteuersucht wird man wahrscheinlich am besten fahren ... (Schade, daß ich mein altes Schweizer Geschäftskonto 2008 wegen geringen Umsatzes schloß, im September 2008 – kurz vor der großen Bankenkrise ...)

Die Schweiz hat eine moderate Gesamtverschuldung von gut 40 % des Bruttosozialprodukts und erwirtschaftet immer wieder mal Haushaltsüberschüsse von 7 Milliarden Franken – und das bei einer Bevölkerung von 7 Millionen Menschen und ohne daß Sozialwesen, Straßenbau und anderes kaputtgespart würden. Wieso schaffen wir das eigentlich nicht? Die Schweiz: Grundsolide und ein bißchen langweilig. Aber verläßlich wie eine Schweizer Uhr. Empfehlenswert.

Sonst gibt es ja leider nicht viel Länder in der näheren Umgebung, die sich dem Eurowahn entzogen haben. Ostwährungen wie die Tschechische Krone oder der polnische Zloty sind indiskutabel.

Das englische Pfund ist leider nur noch ein Schatten seiner selbst, eiserne Lady hin, Churchill mit dem Victory-Zeichen her. Das halb deindustrialisierte England hat sich zu sehr den windigen Finanztransaktionen verschrieben – und jetzt sind die Briten besonders von der Krise betroffen.

Somit bliebe als einziges Nicht-EU-Land im westlichen Europa: Norwegen.
Ein typisch skandinavisches Land: Hohe Steuern, üppiger Sozialstaat, wuchernder Feminismus: Börsennotierte Aktiengesellschaften müssen mindestens 40 % Frauen im Aufsichtsrat haben, sonst wird der ganze Betrieb geschlossen. Qualifikation: wurscht. Will mann sich von diesen Zumutungen in einem Puff erholen, steht mann schon mit einem Bein im Gefängnis – wie seit Jahren schon in Schweden. Flieht mann zur Erholung in eine Kneipe, kostet das Bierchen doppelt so viel wie daheim.

Nun, ein Land ganz nach unseren Wünschen werden wir nie finden. Wir wollen ja auch nicht da leben, nur unser Geld soll da leben. Es braucht sich noch nicht mal groß zu vermehren; es braucht nur zu überleben.

Und das sind die positiven Seiten Norges: Das 4-Millionen-Völkchen sitzt auf einer riesigen Ölblase und kann sich den üppigen Sozialstaat leisten und noch Geld in großen Staatsfonds auf die Seite legen; die gesamte Staatsverschuldung ist mit 54 % des Bruttosozialprodukts moderat. Norwegen ist auch noch ein halbwegs demokratisches Land: Über so was Wichtiges wie einen EU-Beitritt durften die Norweger demokratisch abstimmen. Zwei Mal. Beide Male sagten sie nein – vor allem die Nordnorweger, die (wohl zu Recht) fürchteten, die EU würde den Subventionen für den strukturschwachen Norden ein Ende bereiten, Holländer und Spanier würden sich gierig auf die norwegischen Fischgründe stürzen etc. (Letzteres war ja auch für die zu Dänemark gehörigen Färöerinseln und Grönland Grund zum Austritt aus der EU). Horst Janssen schrieb in seinem Nordland-Reisebericht aus den frühen 70er Jahren: »Am ersten Tag von Svanshall nach Oslo und am anderen Morgen um 8 sofort weiter, weil man in Oslo von Europa spricht, ohne den Vorteil zu erkennen, daß man fast außerhalb dieses Dilemmas lebt.« Das war vor der ersten norwegischen EU-Abstimmung und sicher das für die »politische Klasse«, nicht für das gewöhnliche Volk typische Gerede ...

Um ein Konto zu eröffnen, braucht man in Norwegen (wie in Schweden) eine Steuernummer, die man beim örtlichen Finanzamt beantragen muß. Wie lange das dauert, bis man die bekommt, weiß ich nicht. Besser ein paar Tage mehr einplanen. Auch hier würde ich wieder zu einer Sparkasse auf dem Lande raten, nicht zu einem großen Geldinstitut.

Wußten Sie übrigens, daß Spitzbergen der steuergünstigste Teil Norwegens ist? In Auflistungen von Steuerparadiesen findet man neben tropischen Archipelen wie den Cayman Islands auch die eisige Inselgruppe im Norden, und das liegt am Spitzbergen-Vertrag von 1925. 1920 hatte Norwegen die bis dato herrenlose Inselgruppe besetzt. Der Völkerbund billigte das nachträglich, schrieb aber in dem erwähnten Vertrag fest, daß der Archipel entmilitarisiert bleiben sollte und daß alle Nationen, die den Vertrag unterzeichneten (also auch Deutschland), also Norwegens Besitz dieser Inseln anerkannten, das Recht haben sollten, auf Spitzbergen Bodenschätze auszubeuten. Sollte dort einmal nicht nur Kohle, sondern auch Öl gefunden werden, darf Deutschland dieses Öl auch ausbeuten. (De facto genutzt haben dieses Recht allerdings nur zwei Nationen: a) die Norweger und b) die Sowjets, die sich überall breitmachten, wo man ihnen den kleinen Finger reichte). Und vor allem: Norwegen dürfe keinen Gewinn aus Spitzbergen ziehen! Daher die günstigen Steuersätze.


Günstiges Klima (für Investoren): Spitzbergen

Vielleicht sollte ich nächstes Jahr mal am Spitzbergen-Marathon teilnehmen ... oder am Tromsöer Mitternachtssonnen-Marathon ...

Konten in Fremdwährungen (also in Norwegischen Kronen oder – auch ganz empfehlenswert – kanadischen Dollars oder – die haben häufig Haushaltsüberschüsse! – australischen Dollars) kann man übrigens auch bei deutschen Banken anlegen; allerdings sind diese Einlagen in Fremdwährungen meines Wissens nicht durch den Einlagensicherungsfond geschützt.

Schweden oder Dänemark sind auch noch ganz nett. EU-Länder, aber ohne Euro. In Schweden braucht man eine Steuernummer, in Dänemark genügt wie bei uns ein Ausweis. (Vor 30 Jahren ging’s sogar noch ohne den, einfach mit einem postalisch geschickten Antragsformular. Ich hatte mich als Schüler von dem Versprechen »15 % Zinsen!« in einer Zeitungsannonce anlocken lassen – aber der hohe Zins war Ausdruck einer gegenüber der damaligen D-Mark schwachen Währung; der Zinsgewinn wurde leider durch den Kursverlust zunichte gemacht.) Tja – ausgerechnet EU-Verordnungen (diesmal die gegen Geldwäsche) machen es mittlerweile unmöglich, sich ohne Ausweis in Dänemark ein Konto zu eröffnen. Wieder einmal diese EU! (... wobei ich diese Regelung noch halbwegs vernünftig finde).

Breite Risikostreuung und Sicherheit vor Rendite, das isses wohl. Und nicht alles jedem auf die Nase binden. Wahrscheinlich war ich schon zu offenherzig. »Wußtest Du, daß es schon jetzt ein Gesetz gibt, das Dir Goldbesitz verbieten kann?« schrieb der Steuer-Autor »Onkel Konz« schon in den 80er Jahren. »Der Staat braucht es nur noch in Kraft zu setzen.« So wie 1933 in den USA Präsident Roosevelt, der Goldbesitz über 5 Unzen bei hohen Strafandrohungen verbot und alles, was darüber hinausging, für 20 $ pro Unze abkaufte. Als er das Gold hatte, legte er den Preis auf 35 $ pro Unze fest. (Außerdem setzte er 1933 ein sehr sinnvolles Trennungsgebot zwischen Geschäfts- und Investmentbanken fest; als das 1998 auf Druck von Lobbyisten fiel, fing bald wieder die Zockerei an ...)

Das Goldbesitzverbot galt bis Ende 1974. »Und was glaubst Du, wie schnell Dir der Staat im Notfall eine ›Devisenablieferungspflicht bei Androhung von lebenslänglich‹ reindrückt«, so »Onkel Konz« weiter. »Laß deshalb kein ausländisches Sparbuch bei dir rumliegen, laß es im ausländischen Bankschließfach!« Katastrophengerede, dachte ich damals und hielt das für äußerst unwahrscheinlich. Die Ereignisse der letzten Jahre ließen mich nachdenklich werden. Nichts ist unmöglich – nicht nur bei Toyota ...

Und passen Sie auf die Eisbären auf! :-) »Gilt in ganz Svalbard=Spitzbergen«. 3000 von diesen Bären laufen da rum - also nie ohne Knarre aus dem Ort gehen, das ist sogar Gesetz!

Der Indianer, der Erzähler in Ken Keseys »Einer flog über das Kuckucksnest«, sagte an einer Stelle: »McMurphy wußte, daß ein Mann nur dann richtig stark ist, wenn er an allen Dingen etwas Lustiges findet, und er strengte sich so an, uns auf das Lustige in allem aufmerksam zu machen, daß ich mich fragte, ob er die andere Seite gar nicht sah, jene Seite, die einem das Lachen tief unten im Halse verdorren ließ ...«. Die haben wir nun ausführlich betrachtet, die andere Seite - aber wenn ich mir so vorstelle, ich auf Spitzbergen, Pelzmütze mit Ohrenklappen auf dem Kopf, die Knarre in meiner Rechten, eine Plastiktüte mit Geld in meiner Linken - dann muß ich doch wieder lachen - sogar in diesem grün angestrichenen Winter ... ;-)

3.5.10

»Coffee party« statt »tea party«

In den USA hat sich eine Pro-Obama-Gegenbewegung zur rechtslastigen »tea party« gebildet: die »coffee party«.



»Wake up and stand up!« ruft ihre Gründerin, eine koreanischstämmige Amerikanerin, ihren Landsleuten zu, und: »Clean up Wall Street!«



Die Gründerin wird von rechts inzwischen als »Agentin Chinas« diffamiert, hat aber laut dem neuesten SPIEGEL den früheren obersten Guantanamo-Militärankläger Morris Davis an ihrer Seite - der findet, die »coffee party« sei ein notwendiges Gegengewicht zu einer »überdrehten Minderheit, die zu Veranstaltungen Waffen mitbringt und den Gegner diffamiert«.

30.4.10

Walpurgisnacht - und Tag der Arbeit

Das Wetter schlug (wie üblich) rechtzeitig zum Feiertag ins Schlechte um, im Dorfladen gab es (wie vor Feiertagen üblich) einen Ansturm, als drohe eine Hungersnot, in Tübingen stänkert ein »AK Tauwetter« aus der Anonymität heraus gegen einen Lehrer, nur weil der ein paar Leserbriefe an die JUNGE FREIHEIT geschrieben hat, Nehrens Nachbarort Dußlingen ist immer noch so geteilt wie einst Berlin durch die gräßliche B-27-Großbaustelle*, ich fuhr das Motorrad in die Garage und das Auto in einen Nebenweg, um gegen die schon in der Abenddämmerung Klopapier werfenden Kiddies halbwegs geschützt zu sein ...

... jetzt kann der 1. Mai kommen, der Tag der Arbeit. Für mich wird er das gewiß - von 6 Frühjahrsneuerscheinungen sind gerade mal 2 im Druck, bei den 4 anderen muß ich mich sputen, daß sie nicht zu Frühsommer-Neuerscheinungen werden.

Immerhin weiß ich jetzt schon seit zwei, drei Wochen, zwar noch nicht, in welcher Halle (wahrscheinlich wieder 4.1.), aber in welcher Standumgebung in der »L-Reihe« der Marterpfahl Verlag bei der Frankfurter Buchmesse 2010 stehen wird:



Kehrer vertreibt seine erlesenen (auch erotischen) Bildbände weltweit. Vor Jahren kaufte ich in Tübingen mal einen opulenten Kehrer-Band im Breitformat, der nichts als Schlafzimmer von Luxuspuffs zeigte. »Frauenzimmer« hieß er; gleichzeitig gab es einen gleichnamigen Band eines anderen Verlags, der Wohnungen von Architektinnen und Designerinnen zeigte - wenn es da mal nicht zu Verwechslungen kommt! ;-)

Goliath wollte noch bei der Buchmesse 2009 »die Welt erobern«, hatte x teure Vitrinen in den Durchgangsräumen gemietet, um seine Bücher zu präsentieren. Die Welt erobern will Goliath mit seinen Bildbänden von der Eschersheimer Landstraße 353 aus, also praktisch in fußläufiger Entfernung von der Frankfurter Messe ...

Zwei Kabuffs weiter neben mir residiert der »Letzte Seufzer« aus San Francisco:



Die haben Underground-Comics, einen Vertrieb und allerlei Interessantes, z. B. erotische Bilder ...



... und sie haben sogar ein Buch »Fraktur mon amour« - hochinteressant ...

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*Unter Dußlingen wird derzeit für die neue vierspurige B 27 ein Tunnel gebaut - und die beiden Hälften Dußlingens, Ost und West, sind bis auf einen steilen Fußgängersteg und eine einzige Straßenverbindung außerhalb des Orts ohne Verbindung. Zwar lagen die Pläne für all das vorher aus, aber wer sah da schon so genau hin? (... wie bei »Per Anhalter durch die Galaxis«). Geschäfte, die von Laufkundschaft gelebt hatten, veröden nun. Wer 20 Meter weiter will, von einer Seite des »großen Grabens« auf die andere, muß einen zwei Kilometer weiten Umweg fahren ... Irrsinn. Ein Dußlinger verfertigte ein Schild »Sie verlassen jetzt Ostberlin«, wobei das »Berlin« durchgestrichen und durch »Dußlingen« ersetzt war ...

25.4.10

Tag des Bieres und Tag des Buches

Heute sei der internationale Tag des Buches, leitete Deutschlandfunk-Literaturpapst Denis Scheck vorgestern, am 23.4., seine allmonatliche süffisante Abhandlung der aktuellen Bestsellerliste, diesmal der Sachbücher, ein. Doch heute sei auch der internationale Tag des Bieres, fuhr er fort.



Vielleicht solle man öfter über Biere und weniger oft über Bücher reden. Wie recht der Mann hat! Vielleicht kann man auch beides kombinieren: Bei einem geschmackvollen Pils über die neuesten Bestseller ablästern - da kommen einem am Stammtisch sicher die besten Gedanken. Von den zehn meistverkauften deutschsprachigen Sachbüchern verriß Scheck sieben, drei nur lobte er, darunter das Buch »Unser Jahrhundert«, in dem sich Fritz Stern und Helmut Schmidt unterhalten wie Waldorf und Statler, die beiden grantelnden Opas aus der Muppet-Show. Auf diesen Vergleich kam vor Wochen auch der Rezensent der Jungen Freiheit, aber während Scheck das Gerede der beiden alten Herren über Gott und Welt brilliant fand, nannte es der Kritiker der JF (wohl zu recht) eine Ansammlung von Platitüden und Binsenweisheiten, gewiß manch Richtiges darunter, aber nichts, was nicht auch ein gut informierter Zeitungsleser hätte sagen können. (Bei uns im Familienkreis fanden wir es schon kurz nach Schmidts Abgang 1982 befremdlich, daß der Exkanzler für einen Vortrag bei uns in der Nähe 2000,- DM Honorar kassieren konnte - wo doch ein Niemand genau dasselbe sagen könnte ...). - Merkwürdigerweise kann ich den JF-Verriß von Schmidts Buch auf der Website der Zeitung nimmer finden - dafür aber das Buch selbst im JF-Buchvertrieb, und da wird es gelobt als klar, interessant und brilliant ... O tempora, o mores.

PS: Bücher ÜBER Bier sind doch auch was Feines, oder? Über die belgischen Biere z. B. ... Mal sehen, was sich da machen läßt ... Wozu habe ich im Herbst 2009 eine Rundreise zu den belgischen Bieren gemacht?

21.4.10

Sex in Kroatien

»Darauf haben wir doch alle gewartet«, schrieb Arne Hoffmann vor Tagen in seinem Blog: Auf »Seks za napredne« nämlich:



Darauf also, daß die frohe Botschaft »Sex für Fortgeschrittene« endlich auch Kroatien erreicht. Endlich erfährt auch das Volk am Mittelmeer, was es mit »striptiz, erogene zone, kontrola orgazma, erotske fotografije i filmovi« auf sich hat. Den Fortschritt in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf :-)

PS: Hübsches Titelbild, gell?

13.4.10

Das Marterpfahl-Land ...

... wird größer und größer:



Es umfaßt nämlich alle Länder, die hier - in dieser Statistik von meinem neuen Provider - grün markiert sind; je grüner, desto marterpfahliger. Zentralasien, Mittelamerika und weite Teile Afrikas halten sich noch zurück, aber sogar aus der Volksrepublik China erhalte ich virtuellen Besuch, und aus den USA wird die Marterpfahl-Website mittlerweile so häufig angeklickt wie aus der Schweiz. (Ob das was mit der neuen, allerdings noch fast leeren Domain www.sm-publisher.com zu tun hat?)

Und über was für Begriffe die Leute auf meine Seite kamen!: »Artigmacher«, »Tötungsrollenspiele«, »schwule sklaven geschichten« ... Aber gut, die meisten kamen durch harmlose Begriffspaare wie »rohrstock tochter«, »liebe, strafe, züchtigung«, »lustvolle Schläge auf den Arsch« oder »mann wird zur frau durch hormone gezwungen«. Alles ganz harmlos also und voll im grünen Bereich! :-)

Das Datenmonster Google überschüttet mich via meinen Provider mit einem Schwall von Daten, den ich mir erst mal in Ruhe zu Gemüte führen muß ...

»Knöllchenfotze«

Als Autor (der ich ja nebenbei auch noch bin) sollte man sich immer um eine Bereicherung des Ausdrucksrepertoires bemühen. Neulich in der Deutschlandfunk-Besprechung eines Krimis ein Zitat, Selbstbeschreibung des Detektivs, vorgelesen im üblichen schnoddrig-»coolen« Tonfall: »Ich trinke keinen Rotwein, lese keine Romane von weiblichen Autoren ... [es folgt eine Aufzählung typisch weiblicher Tätigkeiten] ... und der Anblick einer Knöllchenfotze erweckt bei mir Mordinstinkte.«


Bild: Musterung künftiger Politessen, gefunden auf www.monstropolis.org

Da sieht man mal, wie sanft SMer sind. Mord kommt mir da nicht in den Sinn, allenfalls ein zünftiger Rohrstock. Und in masochistischen Momenten wäre ich nicht einmal abgeneigt, mich von der Politesse ein bißchen bestrafen zu lassen ...

Vielleicht sollten wir auch alle Politessen speziell für den 14. März anlernen, den »Schnitzel-und-Blowjob-Tag«, eine geplante Ergänzungsveranstaltung zum eher frauenzentrierten 14. Februar, dem Valentinstag. Vielleicht sollte man am morgigen 14. April schon mal ein wenig üben?


Die hohe Besucherzahl der Website - ich brauchte dafür ein Dutzend Jahre - zeugt von der hohen gesellschaftlichen Relevanz und Brisanz des Themas.

Oder möglicherweise hilft für beruflich Reisende dieser Aufkleber?:

Das Osterwunder

Es muß über Ostern geschehen sein. Jedesmal wenn sich der »Stammtisch Unser Huhn« dienstagabends in der Parkgaststätte versammelt, verwandeln sich wie durch ein Wunder die Leuchtbuchstaben in »Papstgaststätte«. Oder können nur wir, die Stammtischmitglieder, das Wunder sehen? Urteilen Sie selbst:



Anderentags und an den anderen Abenden erscheint nur die gewöhnliche Inschrift. Während der Sitzungen des Stammtischs vollzieht sich dann die Wandlung. - Sollte das Wunder auch heute abend und an den nächsten Dienstagen andauern, wird sich der S. U. H. um eine offizielle Anerkennung des Wunders bei Seiner Heiligkeit Papst Benedikt XVI. bemühen.

bofewo 6-8.3.'26

 äläl                   äläl