10.7.13

Alternativen zum Google-Geschnüffel (Teil I)

Wenn die Diskussion der letzten Zeit Sie, verehrter Leser, zu dem Wunsch bewegt hat, dem Ami-Datenriesen Google Lebewohl zu sagen, Sie aber noch nicht wissen, wohin - hier ein paar Tips: Yandex hat in Rußland einen Marktanteil von 60 %, da beißt sich Google die Zähne aus - allerdings liest dann wohl statt der US-Dienste der Kreml mit. Ixquick aus dem sympathischen kleinen Dänemark* bezeichnet sich als »diskreteste Suchmaschine der Welt« und ist es vielleicht auch, und auch Duckduckgo, wiewohl der US-Gesetzgebung unterworfen, speichert laut eigenen Angaben keine IP-Adressen und legt keine Nutzerprofile an. - Das nur so auf die schnelle; weiteres folgt vielleicht später, wenn Blogger wieder vernünftig funktioniert, im Moment hakt hier (fast) alles, besonders das Schreiben neuer und das Bearbeiten älterer Artikel ...

*In anderen Quellen las ich neulich, Ixquick sei niederländisch. Auch nicht schlecht - die Niederlande haben eine gute freiheitliche, liberale Tradition.

9.7.13

Elefantenhochzeit im Verlagswesen

Bertelsmann Random House und Penguin schließen sich zum weltgrößten Verlagshaus zusammen - mit rund 25 % Marktanteil (weltweit vermutlich). Der größte Verlag aller Zeiten.

1.7.13

Domsen und Buchhändler, Öl und Eurokraten: Der Juni 2013 im Überblick

»Wir sollten Äthiopien bombardieren« ...

... forderte unlängst ein ägpytischer Parlamentarier in einer Parlamentsdebatte vor laufenden Kameras in heller Panik. Grund: Ägypten fürchtet, daß ein äthiopischer Nildamm seiner wachsenden Bevölkerung das Wasser abgräbt. Ägyptens kommende Nilschlacht.

Rußlands Hinterhof Bulgarien

Näheres über die aktuellen politischen Intrigen in dem EU-Katastrophenfall namens Bulgarien hier.

Blogger.com (Tochter von Google) löscht Sexblogs ...  

... die entsprechende Reklame schalten. Und das mit einer »Vorwarnzeit« von gerade mal drei Tagen. - Puh, gerade noch mal Glück gehabt! Da sieht man mal wieder, was es bedeuten kann, von einem US-amerikanischen Unternehmen abhängig zu sein, das im Zweifelsfall moralinsauer reagiert ... Immerhin hat mein Zweitblog SM-publisher heute den 10.001. Besucher registriert - da sollte es nicht nur bleiben, sondern da sollte ich endlich mal in die Gänge kommen und Titel auf englisch publizieren ...

80.000 Seiten EU-Handbuch sind nicht leicht gelernt, ...

... auch wenn Polen schon seit 2004 Mitglied der EU ist. So umfangreich ist nämlich das Handbuch dessen, was ein neues EU-Land beherzigen und beachten muß. Kein Wunder, daß man öfter Zeitungsüberschriften lesen muß wie »Mit dem EU-Beitragskandidaten x wurden 16 der 31 Kapitel abgearbeitet«.  Da wird sogar die Mülltrennung zwingend vorgeschrieben - auch wenn die Müllgebühren dadurch aufs Dreifache steigen. Bürokratie pur.

Pech gehabt, Angie!

Merkels Hoffnung, die Eurokrise bis zu den Wahlen am 22. September unterm Deckel zu halten, scheint zu scheitern. Diesmal ist Italien das Sorgenkind: Seit einer Woche sind die Zinsen im Euro-Raum (angestoßen von der US-»Fed«) gewaltig gestiegen. Italien meldet Verluste bei dubiosen Finanzgeschäften, mit denen man sich seinerzeit in den Euro hineinmogelte. Und der europäische Rettungsfonds hat deutlich weniger Geld zur Verfügung, als man landläufig annahm. Mit anderen Worten: Wir werden bald wieder einen dieser altbekannten Momente erleben, in dem man wieder dreistellige Milliardenbeträge über rote Linien verschieben wird -  meint der sonst sehr eurofreundliche Wolfgang Münchau. Derweil grassieren in Italien Verschwörungstheorien, wonach der Euro ein Trick Deutschlands sei, um Italien gezielt zu schwächen - als hätte sich Italien nicht ebenso in den Euroclub gedrängelt wie alle anderen Südländer; 1998 war Italien geradezu beleidigt, als Kohl es nicht in den Euro hineinlassen wollte. (»Was? Überschuldung? Wir sind EU-Gründungsmitglied und lassen uns nicht so beleidigen und diskriminieren!«) Doch wenn im gar nicht so großen Italien 55.000 Firmen fallieren, steckt wohl mal wieder das böse Deutschland dahinter.

Drink and Drive

fordert jetzt eine Volksbewegung in Irland. Die (wieder mal von der EU geforderte) Absenkung der Promillegrenze von 0,8 auf 0,5, verschärft durch Intensivierung der Kontrollen, erbost viele Iren im ländlichen Raum: Es müsse doch weiterhin möglich sein, drei Pint Guinness im einige Kilometer entfernten Pub zu trinken und wie früher mit dem Auto nach Hause zu fahren. Ist es aber nimmer - nach dem Willen der Eurokraten. Näheres hier.

Angies Wahlkreis schwimmt auf Öl, denn ...

... unter Meck-Pomm und Brandenburg wurden riesige Ölfelder entdeckt. Na, das ist doch mal was!

Griechenland schwimmt auch auf Öl, aber ...

... es nutzt uns Europäern und den Griechen selbst nicht viel, denn: »Experten wundern sich, warum bei der Debatte um Athens Schulden die gigantischen Öl- und Gas-Reserven vor Griechenlands Küste nie eine Rolle spielen. Ihr Wert übersteigt Athens Schulden bei weitem, alle Probleme könnten damit gelöst werden. Indes haben sich US-Ölkonzerne weitreichende Rechte an den griechischen Schätzen gesichert. So bleiben für Europa die Schulden und für die USA die Erträge«, schreibt die PAZ. Überhaupt sei verwunderlich, daß die »Experten« des IWF so oft danebenliegen, etwa für Griechenland eine Erholung prophezeien, während das Land in Wahrheit immer mehr den Bach runtergeht, gar zum Schwellenland herabgestuft wird. Grund dafür ist vielleicht auch, daß der IWF, obwohl von der Französin Lagarde geleitet, in Wahrheit nur der verlängerte Arm amerikanischer Interessen ist. Näheres hier.

Kennt denn jemand Literatur, in der weibliche Dominanz portraitiert wird?

Aber natürlich kennen wir die - haufenweise. (Etwas nach unten scrollen).

Ein Tübinger wird Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels

»Osiander«-Chef Heinrich Riethmüller löst den bisherigen Vorsteher Gottfried Honnefelder ab, meldet das Schwäbische Tagblatt.

8000 Demonstranten für Erdogan ...

... und kaum ein Zehntel gegen ihn und für Laizität: So das Stimmungsbild unter Wiener Türken. Und in der Türkei? Ich bezweifle, daß die Istanbuler Anti-Erdogan-Demonstranten die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich haben, vor allem in den ländlichen Gebieten Anatoliens ...

Das Eßverhalten junger Großstadttussis

Vorgestern »Abifeier« von unserem Jahrgang gehabt (wie lange das Abi her ist, sag ich nicht ;-). Einer, der in Hamburg Karriere gemacht hat, erzählte: »Von den jungen Frauen in Großstädten sind heute ca. 30 % Vegetarier und [wahrscheinlich als Teilmenge] 20 % Veganer.« Ach daher der wachsende Ärger und Aufwand bei Feten, die Extrawürste ... äh ... Sojabratlinge, die man immer zusätzlich machen muß, damit die V-Fraktion auch was zu essen hat. - Gasthöfe auf dem Lande wüßten, so mein Gesprächspartner, oft mit dem Stichwort »vegan« noch gar nichts anzufangen. Da habe neulich eine vegane Bekannte einen Salat, der mit etwas Sahne angemacht war, zurückgehen lassen. - Meine Beobachtung vor einiger Zeit: Während einer Fahrt mit der Hamburger S-Bahn waren einige Teenies pausenlos damit beschäftigt, in ihr Handy zu tratschen. Gesprächsthema: Wie übel sie auf Facebook gemobbt worden seien und wie sehr sie es »den anderen« heimzahlen wollten. Wenn sie nicht am Telefon tratschen, tun sie's auf Facebook, und ansonsten stieren sie in der Öffentlichkeit beim Gehen so permanent auf ihr Smartphone, daß sie in jeden offenen Gullideckel 'reinlatschen würden. So viel zur Jugend von heute ;-)

Der unkorrekte Preisträger

Bei einem Ökowettbewerb, bei dem das Internetpublikum als Jury mitabstimmen konnte, »drohte« folgendes Ergebnis: »Das unberechenbare Internet-Volk erkor den ›Dual Fluid Reactor‹ (DFR) des Berliner Instituts für Festkörper-Kernphysik (IFK) zu seinem Favoriten. Der soll Wärme und Elektrizität besonders umweltfreundlich produzieren und nebenbei auch das Problem der langlebigen radioaktiven Reststoffe aus den bestehenden deutschen Leichtwasserreaktoren lösen, indem er sie vernichtet.« Das geht ja nun gar nicht! Der unerwünschte Sieger wurde aus der Entscheidung entfernt und stattdessen »wurden hohle Dachziegel nominiert, in die Kleinstwindräder integriert sind. Die Welt ist wieder in Ordnung.« Näheres hier.

Wölfe, Bären, Luchse ...

... am hellichten Tag und ohne jede Scheu vor dem Menschen. Wo? In der Sperrzone um Tschernobyl.

Scheu vor dem Golde aber ... 

... wird jetzt die französische Staatspost. Goldmünzen und -barren darf man nicht mehr per Post verschicken. Vorsichtsmaßnahme oder Maßnahme gegen den ungeliebten Papiergeldkonkurrenten Gold? »eigentümlich frei« berichtet.

12.6.13

Filmtip: »Das Superhirn« mit Belmondo ...

... und David Niven. Aller guten Dinge sind drei, liebe Leser, daher noch dieser Filmtip. Scheckig gelacht haben wir uns alle vor dem Fernseher, als so um 1977 »Das Superhirn« (1966) lief:
Von Kumpels aus dem Knast befreit, hinten rein in einen Transporter mit Bett im Laderaum - leider unverankert und bei jeder Kurve hin- und herrutschend - bis es dann beim Beschleunigen durch die Hintertür kracht und der befreite Ganove Belmondo auf einem öffentlichen Platz steht. Aber Superhirne meistern auch solche Situationen. 
Diskutiere nie mit Mafiabossen im Swimming-Pool auf aufblasbaren Sesseln - eine falsche Äußerung, und sie ziehen den Pfropfen, und - pffft! - zischt du ab durch die Mitte wie ein nicht zugebundener Luftballon durchs Zimmer ...
Immer den Humor bewahren, auch wenn der Citroen DS in der Mitte auseinanderbricht und der Kumpel auf der Rückbank abgehängt wird: Belmondo.
Jahrelang warteten wir auf eine Wiederholung, aber es kam und kam keine. Jeder Sch*** wurde wiederholt, das nicht. Jetzt gibt's den Film wieder auf DVD.

Filmtip: »Mein Bruder, der Supermann«

Supermann ist er, aber nur der kleine Bruder vom »richtigen« Supermann. Fliegen kann er, aber nur niedrig am Boden und nur manchmal. Dafür hat er ein unbestechliches Herz, während sein Bruder, der richtige Supermann, der pfeilschnell durch die Lüfte zischt und alles in nullkommanix erledigt, auf jede feindliche Agentin reinfällt und dann oft von seinem kleinen Bruder gerettet werden muß.
Super-Bösewicht in diesem lustigen italienischen Streifen von 1968* ist »happy Betty«, Inhaberin einer Supermarktkette mit Weltherrschaftsallüren. Ihrer Aktionärsversammlung erläutert sie, wie sie sich das vorstellt: Einem Mückenschwarm gleich werden sich Millionen winziger Raketen in die Hirne argloser Passanten bohren und bei denen bewirken, daß sie sofort in den nächsten Happy-Betty-Supermarkt eilen und dort manisch alles leerkaufen.
Auch ihren »humanen Umgang« mit ihren Angestellten demonstriert »happy Betty« ihren Aktionären: »Gegen Lohnabzug können unsere Angestellten auch weibliche Betreuung bekommen [man sieht dann, wie eine Puppe mit weiblichen Gesichtszügen den Angestellten per Elektromotor am Kinn krault; dann sieht man eine Reihe von Toilettenkabinen und von dort weghastende Angestellte:] Um die Verweildauer auf dem Klo zu reduzieren, wird immer mal wieder eine Toilettenkabine nach dem Zufallsprinzip unter Starkstrom gesetzt [man sieht, wie es einen erwischt und ein Häufchen Asche aus der Kabine rieselt].«
Klar, daß Supermännchen gegen diese fiese Tussi zu Felde ziehen muß ...
Supermann der besonderen Art: »Mini-VIP - mein Bruder, der Supermann«
*Momentan als DVD leider nur auf italienisch und englisch erhältlich, nicht auf deutsch. Hier noch Kritiken.

11.6.13

»Den Unsinn der Preise à la 49,80 DM ...

... machen wir nicht mit«, hieß es vor Jahren in einem Haffmans-Prospekt. Man wolle dem Buchhändler die lästige Groschenhuberei ersparen und andererseits das Publikum nicht für so blöd verkaufen, daß erst 49,80 DM statt glatten 50,- DM den Kaufimpuls auslösen. Ja, seh ich eigentlich auch so - aber dennoch wird es diese doofen x,99-Euro-Preise bei mir demnächst geben, bei Ebooks nämlich. Der »iStore« (oder wie auch immer er heißt) akzeptiert nämlich nur solche Preise auf x,99 oder x,49 Euro, also muß ich meine Ebooks zu einem solchen Preis anbieten, wenn ich dort präsent sein will - und aus Gründen der Preisbindung können diese Ebooks dann nicht anderswo zu einem anderen Preis angeboten werden. Tja, so ist das nun mal ;-)

Platz 6 der US-Rangliste der Schnüffelobjekte ...

Das erkennt man sogar noch aus dem Weltraum: Deutschland ist Europas liebstes US-Schnüffelobjekt, fand der britische Guardian (»Wächter«) heraus, von dem diese Karte stammt
... ist Deutschland. Auf obiger Schnüffellandkarte des britischen Guardian erscheinen wir wie eine rote Gefahrenzone hervorgehoben. Nur noch solch liebliche Länder wie Pakistan, Iran, China, Ägypten und Indien werden noch intensiver ausgekundschaftet. Schon vor Jahren gab es ja den Verdacht, daß z. B. gigantische Horchposten wie ECHELON weniger der Terrorabwehr dienen als der US-Wirtschaftsspionage zuungunsten Deutschlands. Von Seiten der deutschen Regierung geschah wie üblich nichts, ebenso wenig wie das EU-Parlament dem SWIFT-Kreditkartendatengeschnüffel der US-Behörden mehr als hinhaltenden Widerstand entgegensetzte (aber Glühbirnen und Duschköpfe regulieren, das können sie). Mehr darüber hier.

Haben Kurzgeschichten noch eine Chance?

Mein Autor Gerwalt meint: nein. Jedenfalls nicht auf Papier. Seit etwa 2005 seien im Netz so viele Kurzgeschichten zu lesen, daß niemand mehr Kurzgeschichten kaufen wolle. Ich widersprach unter Berufung auf Eurydikes »Die Nacht hat 24 Stunden«, das - nach den Ratgebern - mit rund 6.000 Exemplaren mein bestverkauftes Buch ist. Allerdings liegen seine goldenen Zeiten auch einige Jahre zurück, momentan ist es tatsächlich schwierig, mit Kurzgeschichten eine passable Auflage zu machen. Na, hoffen wir, daß es in einer Literaturgeschichte des Jahres 2200 nicht heißen muß: »Von der - so heißt es - bemerkenswerten deutschsprachigen Kurzgeschichte des 21. Jahrhunderts ist nichts erhalten. Die eine Hälfte ging bei einem Festplattenabsturz verloren, die andere verwehte, als ›die Wolke‹ sich in heiße Luft auflöste.«
»Die Wolke« - kein guter Speicherungsort für Dateien. Eines Tages verziehen sich die Wolken, und alles ist weg.

10.6.13

35 Jahre Konkursbuch Verlag - Sprachen, Länder, Umsatzhöhen ...

Mal sehen, was unser Annoncenblättchen so alles bringt, dachte ich vor Tagen. Aha: eine Notiz über den Vortrag meines Freundes S. in einem Tübinger Antiquariat über »Superhelden« - von Gilgamesch bis Superman; und gleich daneben ein Artikel über den 35. Geburtstag von Claudia Gehrkes Konkursbuch Verlag, kaum 500 Meter weiter.
35 Jahre hat sich der unabhängige Verlag jetzt schon gehalten und dabei rund 250 Titel auf Lager, pro Jahr sind es heute etwa 20 neue. Allerdings berichten Autoren auch schon mal von Minihonoraren und Miniauflagen. Na ja, das ist bei mir bei vielen Titeln (leider) auch nicht anders, und ich hab erst rund 100. Nur rund 50 Titel hingegen führt Greenery Press, der SM- und Erotikverlag aus Oakland, Kalifornien, und verkauft davon über 100.000 Stück jährlich, ich nur gut 10.000 - allerdings ist auch der englische Sprachraum rund fünfmal so menschenreich wie der deutsche. Tja - das sind die Relationen ...

Die Tücken der Technik

Sorry, Leute - eigentlich sollten zum gegenwärtigen Zeitpunkt ja schon die fünf ersten Ebooks des Marterpfahl Verlags auf dem Markt sein - aber eins will sein Verfasser noch mal überarbeiten, und bei den anderen setzt mir die Tücke der ungewohnten Technik zu. Ich komme mir vor wie ein Romanschriftsteller von 1950, der seinen Roman auf einmal zu einem Fernsehspiel machen soll, obwohl er noch nie einen Blick in dieses geheimnisvolle neue Medium getan hat; der dabei zwar sachkundige Hilfe bekommt, aber die ist etwas betriebsblind und setzt tausend Dinge als selbstverständlich voraus, die für ihn aber alles andere als selbstverständlich sind. Ich bitte daher noch um etwas Geduld, bis ich mich aus den Wirren der Technik befreit habe wie Laokoon aus den Schlangen ...
Zerrieben von den Tücken der Technik?

6.6.13

»Holt den Schurken runter von der Reichstagskuppel!« - Filmtip

Ende Mai mailte ich es einigen Freunden:

»Die Spur führt nach Berlin«

Habe soeben gemerkt, daß dieser alte Film (1952) jetzt auf DVD lieferbar ist, und habe sofort bestellt, obwohl ich noch gar keinen DVD-Player habe ;-):

»Die Spur führt nach Berlin«. Vom Feinsten!: Mord am Funkturm. Verfolgungsjagd mit Brezelfenster-Käfern quer durch Westberlin, das verfolgte Auto entschwindet am Brandenburger Tor durch die Sektorengrenze (deswegen wurde der Film am Staatsfeiertag 17. Juni so oft gezeigt - bis 1989); Geldfälscherbande in den unterirdischen Gängen der Krolloper und Reichskanzlei; Schießerei in der Ruine des Reichstags; mit dem Motorboot von der DDR durch den Wannsee nach Westberlin ...

Story: Arthur Brauner; Mitwirkende u. a.: Barbara Rütting, Horst Buchholz, Wolfgang Neuss, Günther Pfitzmann ...

Da staunt der eingeflogene Ami, was es in Berlin so alles an Untergrund gibt ...
»Hier geht's ja zu wie beim ›Dritten Mann‹!«
»Holt die Halunken runter von der Reichstagskuppel!«

4.6.13

»Lohnt es sich, gegen das organisierte Verbrechen zu kämpfen?« - »Nö«, ...

... meint Roberto Saviano, Verfasser des vor einigen Jahren verfaßten, die Mafia durchleuchtenden Bestsellers »Gomorrha«, in einem Interview. Müßte er es heute in Kenntnis der Folgen noch einmal entscheiden, er entschiede sich dagegen. Auch die Mohammedkarikaturisten oder Salman Rushdie würden sich heute vielleicht anders entscheiden und die Werke nicht verfassen oder zeichnen, deretwegen sie skandalös berühmt wurden. Der Dank des Vaterlands ist dir gewiß, pflegte man früher zu sagen. Mag sein - aber der Dank verfliegt schnell, Ruhm und öffentliche Aufmerksamkeit (und vielleicht auch das Geld, das Einkommen) wenden sich was anderem zu - nur die Fanatiker, die hinter dir her sind, die vergessen nicht so schnell, vielleicht sogar überhaupt nicht, und du führst ein ziemlich freud- und freundloses Leben im Verborgenen, unter Polizeischutz, im Exil und fragst dich: War es das wert? Roberto Saviano meint: Nein!

Crash oder Notbremse?

Der Euro habe eh nur noch eine Überlebenschance von maximal einigen Jahren, meint Prof. Lucke, der Chef der neuen eurokritischen Partei AfD. Es dreht sich (seiner und meiner Auffassung nach) nur noch darum, ob wir die Notbremse ziehen und so kontrolliert aussteigen, ohne noch mehr Geld zu verbrennen, oder ob wir mit sinnlosen Rettungsversuchen noch tiefer im finanziellen Schlamassel versinken und dann einen unkontrollierten Währungscrash erleben. Hier das ganze Interview.

»Youtube ruinös! Filmer raus!«

Youtube sei die organisierte Urheberrechtsverletzung, urteilte mal ein Kritiker. Kein Wunder bei einem Laden aus dem Dunstkreis von Google. Jetzt platzte einem Pianisten mal der Kragen, als er zum xten Male erleben mußte, wie einer seiner Auftritte von einem Besucher mit Handy gefilmt wurde. Zu oft hatte er erleben müssen, daß ihm Auftritte platzten, weil es hieß: »Ach, das gibt's ja schon auf Youtube.« Komisch, früher waren Musikliebhaber Hifi-Fans; jetzt scheint die geringere Ton- und Bildqualität ihnen schnuppe zu sein, solange nur alles schön billig oder gratis ist. Der Künstler hat genug davon.

28.5.13

»Schutzschirm« für Suhrkamp

Die Suhrkamp-Pleite in Etappen schreitet voran: Jetzt hat der Verlag einen »Schutzschirm« beantragt wie Griechenland oder Portugal. Nein, nein, das bedeutet nicht, daß der Verlag pleite sei, wird versichert - nur so halbtot auf der Intensivstation, am Tropf gewissermaßen. (Die Suhrkamp-Mitarbeiter, die vor zwei, drei Jahren lieber kündigten, als mit dem Verlag von Frankfurt nach Berlin umzuziehen, hatten den richtigen Riecher: Lieber die unangenehme Jobsuche sofort hinter sich bringen als sie aufschieben.) Näheres dazu hier.

Kußverbote, leuchtendes Unkraut und andere »Klöpse«: Der Mai '13 im Überblick

Geschäftsschädigend ...

... ist das, was die WELT kürzlich meldete:
Junge (männliche) Amerikaner verzichten aufs Onanieren - nicht aus religiösen Gründen, nein, sondern weil man nach längerer Abstinenz erst im Vollbesitz seines Testosteronspiegels sei und so richtig dominant rüberkomme. Hm - denen sollte man mal sagen, daß schon nach zwei Tagen Abstinenz der Anteil der defekten Spermien zunimmt und daß der schlanke Waschbrettbauch durch den Kalorienverbrauch beim Wichsen auch leichter erhalten werden kann, oder? Schaden könnte auf keinen Fall diese Lektüre: Onanieren für Profis.

Islamisten fordern Todesstrafe für Atheisten

200.000 Islamisten demonstrierten neulich in Bangla Desh für die Rückkehr ins Mittelalter. Für bürgerkriegsartige Zustände haben sie schon mal gesorgt. So viel zu den friedlichen Absichten des Islams.

Windspargel und Planwirtschaft

Eine gute Nachricht: Einige geplante Windspargel über Tübingens Kreßbacher Höhe werden nun doch nicht gebaut, der Standort ist zu windarm, andere stehen bei Tübingen nicht zur Verfügung, so können wir nun die Aussicht auf die Alb weiterhin ungeschmälert genießen, fast ungeschmälert, denn der erweiterte Golfplatz Kreßbach hat nahe der Straße ein paar künstliche Hügelchen - aber wenigstens sind die hohen Maispflanzen weg, die vorher die Sicht behinderten (noch früher war's Getreide - unproblematisch für die Aussicht). Vielleicht gibt's im Golfclublokal sogar richtigen Spargel mit Schinken und Sauce hollandaise, wer weiß ... Ansonsten wird die Energiewende immer verkorkster, wie meistens, wenn man planwirtschaftlich in die Marktwirtschaft hineinfummelt. Da ist unser württembergischer Energieversorger EnBW schon komplett verstaatlicht, da müssen hochmoderne Gaskraftwerke stillgelegt werden, weil es sich nicht lohnt, so ein teures Ding als »Notfallreserve« für wenige Tage im Jahr bereitzuhalten. Der Wind- und Solarstrom wiederum ist dann meistens nicht da, wenn man ihn bräuchte - und Unmengen davon, wenn man ihn nicht bräuchte ... In den USA werden Wind- und Atomkraftwerke stillgelegt, weil Fracking einfach billiger ist, und bei uns werden Gaskraftwerke stillgelegt, weil wir uns ja selbst gesetzlich die Fessel auferlegt haben, den teuren Wind- und Solarstrom abzunehmen, koste es, was es wolle - also leider viel zu viel. »Ein leitender Mitarbeiter eines der Wettbewerber von E.ON, der aus verständlichen Gründen ungenannt bleiben will, erwartet deshalb die Verstaatlichung aller großen Kraftwerks- und Netzbetreiber bis spätestens Ende 2016. Eine Alternative zur Verstaatlichung könnte auch die Übernahme durch Gazprom sein. Für die Stromkunden verheißen beide Lösungen nichts Gutes«, meint dieser Artikel auf »eigentümlich frei«.

Aus Klopsen werden Klöpse

Schon gemerkt? »Klops« hat jetzt neuerdings den Plural »Klöpse«, aber nur in der (ebenfalls neuen) Bedeutung »mißliebige Äußerungen«, etwa eines Politikers. Die werden heutzutage nicht mehr durchgewinkt - wie im Duden von 1976 - und auch nicht mehr - so die moderne Form - »durchgewunken«; der einzige mir bekannte Fall, wo ein schwaches Verb wieder stark geworden ist.
Dafür wollen Forscher jetzt dem weit zurückliegenden Ursprung der eurasiatischen Sprachfamilien Uralisch, Altaisch und Indogermanisch auf der Spur sein.
Das ist doch ein Grund zum Feiern - am besten bei ein paar guten Königsberger Klopsen.

Neues aus der Welt der Pseudoskandale

Den wievielten haben wir jetzt eigentlich? »Aufschrei« war einer: Da wartet eine Journalistin ein Jahr lang und kultiviert dann ihre »Empörung« über wahrlich harmloses Bargeflüster des FDP-Brüderle, um ihm und seiner Partei zu schaden - und halb Deutschland mit seinen Blabla-Talkshows steigt darauf ein. - Die bayerischen Abgeordneten-Ehefrauen-und-Sekretärinnen sind ein weiterer Pseudo-Fall: Entweder ihre Beschäftigung war illegal (war sie nicht), oder sie war legal. Letzteres war sie - Fall eigentlich erledigt - außer für die Journaille und die Opposition, die ihr moralinsaures, selbstgefälliges Süppchen zu kochen versucht. - Apropos moralinsauer: So hatte ich »Derrick« in Erinnerung. Moralinsauer, glubschäugig und melancholisch. Daß ausgerechnet der im Ausland zum Beispiel des Deutschen avancierte, war ein schlechtes Zeichen. In seinen frühen Ganovenrollen, z. B. als Oberposträuber - »Die Gentlemen bitten zur Kasse« - war er mir bedeutend sympathischer. Aber die waren ihm später peinlich. Kein Wunder, daß er nach dem Ende der Serie »Derrick« noch moralischer wurde und einen Kardinal spielte. Als er vor Jahren mal insgeheim einen der unidentifizierten Posträuber traf und dabei sagte, er spiele nur noch Polizisten, antwortete der: »Ein trauriger Abstieg.« Recht hatte der Mann. Aber was den armen »Derrick« jetzt posthum trifft, das hat er wirklich nicht verdient: Alle sind pseudo-entsetzt, nur weil sich jetzt herausstellte, daß er bei der Waffen-SS war. Zur Erinnerung: Waffen-SS war nicht gleich SS, sondern auch nicht viel anders als die ganz gewöhnliche Wehrmacht; meines Wissens stuften die Alliierten sie 1945 noch nicht mal als verbrecherische Organisation ein. Und deswegen setzen jetzt z. B. die Holländer abrupt Derrick-Folgen ab - nicht weil er so ein doofer und langweiliger Kommissar war. Für letzteres hätte ich bedeutend mehr Verständnis ... (Auch das ZDF hechelt gleich beflissen hinterher und will keinen »Derrick« mehr wiederholen - an sich eine gute Nachricht, nur die Begründung ist daneben. O tempora, o mores!)

Deutschland ist abgehängt (9.5. - Christi Himmelfahrt)

Vorhin auf dem Rückweg von Tübingen am Nehrener Rathaus vorübergefahren: Die Flagge Nehrens hing neben der (inoffiziellen) EU-Flagge mit den EU-Sternen auf blauem Grund, Deutschlands Schwarz-Rot-Gold fehlte.

Es grünt so grün - wo? In der Sahara ...

In der Sahelzone, um genauer zu sein. Daß die Klimaerwärmung, wenn sie denn endlich wieder in Gang kommt - seit 1998 pausiert sie ja leider -, keineswegs nur für gemäßigte Zonen nützlich sein könnte, sondern auch für die Sahelzone, die in den letzten Jahren spürbar ergrünt ist, zeigt der folgende Artikel: Während vergangener Klimaoptima war die Sahara am grünsten.

»Er ist ein Schweinehund, aber er ist unser Schweinehund«

So dachten die Amis oft. In den 50er Jahren stützten sie den Diktator des Irak trotz dessen brutaler, menschenrechtsverachtender Politik, solange er brav antikommunistisch blieb und den Amis billiges Öl lieferte. Erst als er sein Volk mehr vom Öl profitieren und die Ölquellen verstaatlichen lassen wollte (wie Jahre zuvor Mossadegh im Iran), fiel er in Washington in Ungnade. Die USA benutzten Saddam Hussein als Werkzeug, um den mißliebig gewordenen alten Diktator loszuwerden und den Irak wieder in den Griff zu bekommen. Wenn bei dieser Art Politik allzu viel schiefläuft, dürfen wir Deutschen und andere NATO-Partner die Scherben dann bündnissolidarisch aufwischen helfen. Mehr über diese Art Politik in einem Artikel auf eigentümlich frei.

»Diskriminierung ist bei uns Programm«

... sagt eine Berliner Fotohandlung, die bewußt und prinzipiell keine Männer, sondern nur Frauen einstellt. Andersrum gäbe es Riesenärger, so nur milden Tadel. Arne Hoffmann berichtet.
Auch Berliner Politikern scheint Diskriminierung keinerlei Kopfzerbrechen zu bereiten: Im Bezirk Hellersdorf-Marzahn planen Politiker allen Ernstes eine Turnhalle, die nur Frauen vorbehalten sein soll - aber es regt sich bereits Widerstand: Der Berliner Kurier berichtet.

Popeye hatte doch recht!

Spinat macht Muckis, zu dieser Erkenntnis hat sich jetzt die Ernährungswissenschaft durchgerungen - nachdem die Nitrate (im Spinat und anderswo) lange als Krebserreger verpönt waren. Über die wechselnden Moden der Ernährungswissenschaft berichtet der Deutschlandfunk.

Kohle aus Müll

Die JUNGE FREIHEIT berichtete unlängst von einem neuen, in Deutschland entwickelten Verfahren, aus Müll steinkohleähnliche Briketts herzustellen, die man in Steinkohlekraftwerken verfeuern kann. Das ist doch mal was! So was sollte es öfter geben! (Nein, Link hab ich momentan leider nicht.)

Selbst als Sparkassendirektor taugte er nichts

Dabei verdient man da doch mehr als als Bundeskanzler! Doch der »Finanzexperte« Steinbrück hatte im Vorstand der WestLB so manch verhängnisvolle Entscheidung (mit-)vertreten (z. B. Engagements der WestLB in den Steuerparadiesen, die er jetzt gar nicht genug schelten kann). Bei Thyssen Krupp, dem in Schieflage geratenen Unternehmen, hatte er indes wenig zu vertreten, er glänzte bei den Aufsichtsratssitzungen meist durch Abwesenheit, genau wie im Bundestag - logisch, seine vielen teuren Vorträge mußten ja irgendwann vorbereitet werden. Die PAZ berichtet.

Scharia-Patrouillen in London

In Ostlondon, wo mir schon 2005 auffiel, daß dort viele Leute im Nachthemd oder mit Gardine vorm Gesicht herumlaufen, wachen jetzt illegale, aber offenbar von der legalen Obrigkeit wenig gestörte muslimische Patrouillen darüber, daß Miniröcke, Besoffene und Plakatreklame für Dessous nicht mehr lange das orientalische Stadtbild stören: Armes England! Glücksschweinchen auf Neujahrsgrüßen sollen dort angeblich schon länger nicht mehr erlaubt sein. Wo soll das noch hinführen ... ?

200 Jahre Befreiung vom napoleonischen Joch ...

... könnte Deutschland in diesen Tagen feiern - aber Pustekuchen! Während 1913 das protzige Völkerschlachtdenkmal eingeweiht wurde, macht man (das offizielle Deutschland) diesmal offenbar gar nichts - dabei wäre das doch so eine schöne Gelegenheit, die deutsch-französische Freundschaft zu feiern! Angela Merkel gibt da ja beste Beispiele: Als am 8. Mai 2010 die Euroverträge zu Lasten Deutschlands das erste Mal gebrochen wurden (Griechenlandhilfe), fand sie es wichtiger, bei einer Siegesparade in Moskau anwesend zu sein statt bei den Verhandlungen in Brüssel. Genauso könnte sie doch Monsieur Hollande zur 200-Jahr-Feier der Befreiung von der napoleonischen Terrorherrschaft einladen. Hollande könnte in einer bewegenden Rede - so bewegend wie Richard von Weizsäckers Rede zum 9. Mai 1985 - darlegen, wie schlimm er das damalige Benehmen Frankreichs findet, und alles feiert danach voller Eintracht. Stattdessen wurde die schöne Gelegenheit verschenkt. Schade. (Nachtrag: Zum 150. Geburtstag der deutschen Schwester-Sozis kam Hollande ja neulich sogar nach Leipzig, und weil die SPD sich den Festakt im Gewandhaus eigentlich gar nicht leisten konnte, verkaufte sie die Fernsehrechte daran ans ZDF und an Phoenix, so daß wir Zwangsgebührenzahler nun indirekt die SPD mitfinanzieren. - Die Gelegenheit war günstig, gleich vom Gewandhaus weiterzuspazieren zum Völkerschlachtdenkmal - wieder mal eine vertane Gelegenheit ... ;-) - Hochinteressant auch diese Alternativgeschichte der SPD)
Das Leipziger Völkerschlachtdenkmal von 1913

Den globalen Klimaklüngel ...

... analysierte unlängst eine Journalistin und fand heraus: Fürs Fortkommen in den und in dem Weltklimarat ist ein Lebenslauf aus Ökoverbandsaktivitäten allemal besser als wissenschaftliche Reputation. Das journalistische Urgestein Günther Ederer berichtet.

Gold - sicherer Hafen unter Beschuß

Der seltsame Absturz des Goldpreises vor einigen Wochen brachte sicher nicht nur mich ins Grübeln. Eigentlich sollte doch Gold in Krisenzeiten wie den heutigen als »sicherer Hafen« gelten. Daß an diesem Absturz manipuliert wurde, war allen Beobachtern klar. Die meisten erklärten den Grund dafür so: Den Anlegern sollte der Drang zum Gold genommen werden, sie sollten am Papiergeld kleben bleiben. Vielleicht steckt aber noch etwas ganz anderes dahinter: Die USA wollen den Iran von seinen Öleinnahmen abschneiden. Mittel dazu war das Abschneiden des Irans vom internationalen Zahlungsverkehr. Als Ausweg entwickelte der Iran Öl-gegen-Gold-Geschäfte, abgewickelt über die Vereinigen Emirate und sogar auch über das Natoland Türkei. Um den Mullahs nun auch diese Geschäfte zu vermiesen, hätten die USA den Goldpreis nach unten manipuliert, behauptet dieser Blogger.

Kußverbote und Nüchternheitszwang

Nicht nur den USA mißfallende Öl-gegen-Gold-Geschäfte betreibt Herr Erdogan in der Türkei, auch sonst benimmt er sich ungeniert: Über 100 Journalisten sitzen wegen irgendwelcher Meinungsdelikte ein (nur die, die etwa den NSU-Prozeß beobachten und Stimmungsmache gegen Deutschland betreiben, die gefallen ihm), eine Deutschlandfunk-Reportage beschrieb vor Monaten, wie seit Jahrzehnten die griechische und armenische Minderheit durch Auswanderung ausbluten, weil sie den türkischen Nationalismus ihrer Umgebung nicht mehr ertragen, die einst (von Atatürk vermutlich) lizenzierten Puffs werden immer weiter an Zahl eingeschränkt, neuerdings berichten Medien gar von Kußverboten in der Öffentlichkeit (und wer dagegen verstößt, muß mit Messerattacken von Islamisten rechnen), und wer sich von all diesen Zumutungen bei einem Bierchen erholen will, der schaut an immer mehr türkischen Orten in die Röhre, weil Erdogan mit einer Salamitaktik aus Schikanen und Repressionen den Alkoholkonsum immer mehr einschränken will. Er marschiert halt auf die saubere islamische Republik Türkei zu, der Herr Erdogan. Seien wir froh, daß er an einer EU-Mitgliedschaft der Türkei gar nicht mehr so recht interessiert ist ...

Der Elefant verschwindet

»There is an elephant in the room« pflegen Angelsachsen zu sagen, wenn eine im Grunde unübersehbare Tatsache beharrlich von allen Anwesenden geleugnet wird. Bei den Meinungsmachern in den Medien war das jahrzehntelang ihr Einfluß auf die öffentliche Meinung. Als der Medienforscher Kepplinger vor 35 Jahren behauptete, der knappe Wahlsieg der sozialliberalen Koalition in der Bundestagswahl 1976 sei auch der negativen Medienberichterstattung über Kohl und die Union geschuldet, erntete er wüste Beschimpfungen. Und heute? Heute geben sich die Massenmedien plötzlich besorgt über ihren schwindenden Einfluß, weil Blogger, Facebook, Internet und Privatsender ihr Meinungsmonopol gefährden. »Solange der Elefant im Raum ist, bemühen sich alle, ihn zu ignorieren. Doch wenn er die Party verlassen hat, beginnen die Teilnehmer sichtlich, ihn zu vermissen - und verraten damit nebenher, daß sie ihn natürlich die ganze Zeit gesehen hatten«, schreibt der Medienwissenschaftler Petersen in diesem Artikel.

Leuchtendes Unkraut ...

... haben Ihre Nachbarn gewiß noch nicht! Schnell bestellen und damit Eindruck schinden! Für 40 Dollar (wegen der Entwicklungskosten) bekommen Sie eine Samentüte mit genetisch verändertem und somit leuchtendem Unkraut. Für 200 Dollar gibt's einen Gentechnik-Baukasten zum Selbermachen - da kann dann jeder sein eigener Pflanzenschöpfer werden. Wenn genügend Spenden eingehen, wollen die US-Forscher auch noch eine leuchtende Rose züchten. Verzichten Sie in Zukunft auf die Solarlämpchen an ihrer Grundstückseinfahrt - lassen Sie sich (und Ihren Gästen) durch eine leuchtende Rosenrabatte heimleuchten! Näheres dazu hier. (Aber Vorsicht: Achten Sie auf unsere gentechnik-miesepetrigen Gesetze, sonst kriegen Sie Ärger!)

Miesester Mai seit 1970

... kalt und regnerisch nämlich, und insgesamt der kälteste Frühling seit 1970, soviel steht schon jetzt, wenige Tage vor dem meteorologischen Sommerbeginn (1.6.), fest. Vor einem Jahr war's heiß um diese Zeit, heute ist es so, daß ich im ungeheizten Arbeitszimmer (mein Öltank ist fast leer) im Bademantel dasitze und hoffe, daß die Sonne die Zimmertemperatur von heute morgen 14 Grad doch allmählich Richtung 20 Grad hochtreibt. Morgen und die nächsten Tage soll's ja wieder kräftig regnen. Typisch: Im Winter hätten wir milde Atlantiktiefs brauchen können, bekamen aber nur eisige Hochs. Jetzt könnten wir ein stabiles, sonniges Hoch gebrauchen, bekommen aber nur Tiefs mit Plemperwetter. Verkehrte Welt: Oslo sonnig, 24 Grad, und Santiago de Compostela 13 Grad und Dauerregen. Näheres darüber u. a. hier. Soviel zum aktuellen Stand der Klima-Erwärmung.


... und zu guter Letzt:


Die Gefahren des allzu investigativen Journalismus

Und das Allerletzte:

»Merkel ist schwer anzugreifen, denn wenn ein neues Problem auftaucht, dann schweigt sie erst mal lange, und wenn sie dann den Finger hebt, dann nicht um den Kurs vorzugeben, sondern um die Windrichtung zu prüfen.« Wo er recht hat, hat er recht, der Steinbrück.

30.4.13

5 Neuerscheinungen ...

... wird dieser Blog nächsten Monat - Anfang Juni - präsentieren: allesamt Ebooks (und auch nicht alles neue Titel, sorry).

Ich wünsche allen Lesern einen angenehmen »Tag der Arbeit« (für mich wird's eher ein »Monat der Arbeit« werden ;-) ).

»Ungehaltene Reden« ...

... nannte ein Promi mal seine unveröffentlichten Reden doppelsinnig. Ich hätte auch öfters Lust, solche zu halten - z. B.

... zur Frauenquote:

»Wir lehnen die Frauenquote jetzt und in Zukunft ab, weil sie verfassungswidrig ist. Art. 3 Grundgesetz: ›Niemand darf wegen seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden.‹ Eine Quote tut aber genau das: Sie benachteiligt die einen wegen ihres Geschlechts und bevorzugt die anderen wegen ihres Geschlechts. Auch Art. 33 GG sagt eindeutig: ›Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte.‹ Nach seiner Befähigung - nicht nach seinem Geschlecht! Die Mütter und Väter des Grundgesetzes wollten eine freiheitliche und offene Gesellschaft, in der Leistung und Fähigkeit zählen, nicht das Geschlecht.«

... oder zum NPD-Verbot:

»Wir lehnen ein NPD-Verbot ab, weil die NPD - wiewohl vermutlich verfassungsfeindlich - eher Mitleid oder Belustigung erregt als Angst. Sie dümpelt im Unter-5-Prozent-Ghetto herum, oft sogar im 0,5-Prozent-Bereich - und wenn sie doch mal knapp in einen Gemeinderat oder Landtag einzieht, dann erweckt ihr Treiben ebenfalls mehr Mitleid als Furcht. Daß jede Demo von 50 Neonazis zuverlässig 500 krawallbereite Antifas auf den Plan ruft, ist kontraproduktiv und tut dieser Partei viel zu viel Ehre und Aufmerksamkeit an. Gegen das Problem rechtsradikaler Schlägertrupps in manchen Gegenden und Städten hülfe ein NPD-Verbot eh nichts.«

... oder zum Fall Uli Hoeneß:

»Wir beantragen die volle Wiederherstellung des Bankgeheimnisses auch in Deutschland. Dem legitimen Einnahmeinteresse des Staates kann durch eine anonyme, von den Banken en bloc überwiesene Quellensteuer vollauf genügt werden, da ist es absolut nicht nötig, in den Kontoständen von Lieschen Müller oder Herrn Meier von nebenan herumzuschnüffeln. Als vor einigen Jahren das Bankgeheimnis in Deutschland abgeschafft wurde, hieß es, es werde nur wenige Kontoabfragen pro Jahr geben. Doch es entwickelte sich so wie beim großen Lauschangriff: Nachdem das neue Fahndungsinstrument erst einmal zugelassen war, gewöhnten sich die staatlichen Organe daran, und das Rinnsal von Anfragen schwoll zu einer Flut an. Die Schutzrechte der Bürger schwinden mehr und mehr. Das können wir nicht akzeptieren.«

Das SOLLTEN sie sagen, die Politiker, aber *seufz* sie sagen es nicht. Zur Heuchelei des Staates gegenüber reichen Steuersündern hier ein Artikel des altgedienten Journalisten Günter Ederer, der schon 1982 eine Reportage über Steueroasen drehte: Die Woche der Heuchler.

Die Sommerzeit - ein Energiefresser

1976 waren die Franzosen die Vorreiter: Eine Sommerzeit sollte Energie sparen - hatte sie ja irgendwie in den Weltkriegen auch geschafft, nicht wahr? Deutschland blieb skeptisch - und bis 1980 mußten Züge an der französisch-deutschen Grenze eine Stunde lang stehenbleiben (jeder Ami oder Kanadier würde sich totlachen - bei den vielen Zügen, Flügen, Bussen, die dort tagtäglich die vielen Zeitgrenzen ohne Stopp überschreiten). Dann hatten wir die Sommerzeit auch, obwohl jeder schon ahnte, was jetzt eine Studie aus Indiana ans Licht brachte: Abends wird weniger Licht gebrannt, aber die lange Helligkeit verführt zu manchen Ausflügen mit dem SUV oder ähnlich Verschwenderischem, was sonst unterbliebe, und morgens ist es dunkel und kalt, man muß mehr Licht brennen und heizen. Das Problem der verschnarchten Teenager wird durch die Sommerzeit auch größer (wir sprachen darüber). Da wäre es an der Zeit, diesen erkannten Unsinn wieder abzuschaffen - aber da hoffen wir wohl vergeblich. Eher wendet ein Tanker in einer Pfütze, als daß die EU ihren Kurs korrigiert. Hier ein ausführlicher Artikel darüber: Der Sommerzeit-Flop.

»Was fällt Ihnen ein, uns unseren Atom-Wertstoff wegnehmen zu wollen!?«

So wird man wahrscheinlich in zwanzig, dreißig Jahren vom Atommüll sprechen, wenn das neue Transmutationsverfahren, das in der belgischen Kernforschungsanlage Mol erprobt wird, in breitem Ausmaß angewendet werden wird. Dann kommt es nämlich nicht mehr darauf an, ob der Atommüll in Anlagen liegt, die auch in 1000 Jahren noch sicher sein werden, sondern darauf, ob man ihn wieder zurückholen kann, nämlich um ihn zu entgiften und dabei noch ein wenig Energie zu produzieren - zurück bleibt ungefährlicher, nichtstrahlender Müll. Nur die deutschen Parteien, die sich jetzt verantwortungsschwer an einer neuen Endlagersuche abarbeiten, haben den Schuß noch nicht gehört - wie sollten sie auch, wo Rotgrün vor rund 10 Jahren die pöhse Atomforschung stark zurückgefahren hat; da machen jetzt eben andere die Innovationen, mit denen sonst wir Geld hätten verdienen können. Den ganzen Artikel finden Sie hier.

Leipzig: 5 Millionen Bücher brennen

Das Viertel südöstlich der Leipziger Innenstadt war früher das Buchdrucker- und Verlegerviertel, damals, als Leipzig noch DIE Bücherstadt par excellence und Standort der weltgrößten Buchmesse war, nicht Frankfurt. 1943 verbrannte das Buchdruckerviertel im Bombenhagel, nach 1945 flohen viele Verleger in den Westen - aber bedeutungsvoll als Bücherstandort ist Leipzig nach wie vor.
Stellen Sie sich vor, dieses Leipziger Bücherlager geriete in Brand ...
Und so geschah es tatsächlich: 5 Millionen Bücher (vornehmlich von Kleinverlagen) verbrannten in Leipzig im größten Bücherbrand seit 1943, wie dieser Artikel der FAZ erschütternd bezeugt. 

Alles rennet, rettet, flüchtet ...

... hier Südkoreaner, die sich mit Sack und Pack aus der nordkoreanischen Sonderwirtschaftszone Kaesong ins nahe Südkorea absetzen und dabei all ihre Habseligkeiten in die wenigen Autos stopfen müssen, weil sie keine Gelegenheit zu einer zweiten Fahrt haben werden:


Und zu guter Letzt noch:

Wenigstens ist jetzt draußen alles grün geworden, wenn ich auch im dicken Bademantel hier sitzen muß, denn um Heizöl zu sparen, stellte ich die Heizung ab, und ich sitze hier bei knapp 15 Grad ...

21.4.13

Posten für aufstrebende Frauen

Wo? Hier:
Gerüstbau Hienicken, Detmold. 23 männliche Mitarbeiter, 2 weibliche - im Büro. Wollen wohl nicht so hoch hinaus. Tja - selber schuld ... (Wär doch hübsch, da oben mopsfreie ArbeiterINNEN zu erblicken!)

20.4.13

Die Lady mit dem Rohrstock - für ein ganzes Land ...

In diesen Tagen gibt es Lobeshymnen für sie aus konservativem und liberalem Mund: Sie habe das verkrustete, halbgelähmte Großbritannien befreit, befreit vor allem aus dem Würgegriff der Gewerkschaften; befreit und wiederbelebt habe sie das freie Unternehmertum.
»Alles Quatsch«, meint ein Libertärer, also einer, der es mit der Freiheit besonders ernst meint, in einem Essay auf eigentümlich frei. Hofiert habe sie (wie Schröder) nur die Großunternehmen, außerdem habe sie das Fundament für den New-Labour-Bevormundungs-und-Supernanny-Staat gelegt, in dem heute alle Briten lebten:
»Sie führte Geldwäschegesetze ein, die nun zu einer generellen Kontrolle unserer finanziellen Transaktionen ausgeweitet wurden. Sie lockerte die Voraussetzungen für polizeiliche Durchsuchungen und Beschlagnahmungen. Sie vergrößerte den Polizeiapparat und weitete seine Vollmachten aus. Sie schwächte die Geschworenengerichte. Sie schwächte den rechtsstaatlichen Schutz der Angeklagten. Sie erteilte Vollzugsbeamten die Macht, ohne ordentliches Verfahren Bußgelder und Strafen zu verhängen. Sie löste die ersten Schritte zur absoluten Kriminalisierung des Schußwaffenbesitzes aus.«
Den ganzen Artikel finden Sie hier.
Wahrscheinlich hatten die konservativen Hinterbänkler doch recht, die in den 80er Jahren ein bekanntes Londoner Dominastudio aufsuchten und sich wünschten, die Domina solle vor der Züchtigung eine Gummimaske mit den Zügen von Margaret Thatcher aufsetzen oder ihnen mit einer thatcherartigen Handtasche eins über den Rücken ziehen ...

19.4.13

Frauenquote 95 %!

Wo gibt's denn so was? Im »Bienenstich« in Hamburg-Altona: 21 weibliche Mitarbeiter, 1 männlicher Mitarbeiter - und wie man sieht, stehen noch mindestens zwei herausragende Top-Positionen für weitere leistungswillige Mitarbeiterinnen offen:
So weit unser Beitrag zur aktuellen Debatte ...

18.4.13

Gefangen im sozialen (Tratsch-)Netzwerk

Soeben auf Facebook gefunden:
Ohne weitere Worte ;-)
Oder doch noch ein Wort: Der Facebook-Man weiß nicht mal, daß eins seiner Kommata zuviel ist ...

bofewo 6-8.3.'26

 äläl                   äläl